Review

„Troll 2“ gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Sich davon inspirieren zu lassen, um einen etwa gleichwertig üblen Streifen zu drehen, zeugt von einer etwas merkwürdigen Motivation. Wenn er denn so schlecht wäre, dass er schon wieder gut ist, hätte es funktionieren können, doch die Filmwelt ist nun mal kein Konjunktiv.

Vor rund 500 Jahren wurde eine schwarzmagische Markgräfin (Désirée Nick), die eigentlich ein Troll ist, von einem Magier in eine Gesteinsstatue verwandelt, die in der Jetztzeit bei Bauarbeiten in Baden-Baden aus Versehen zutage gefördert wird. Über Umwege gelangt der böse Geist in Vanessa (Eva Habermann), die mit allen Mitteln versucht, an ihr magisches Buch zu gelangen…

Einer der Filme, bei denen der Daumen nach weniger als zehn Minuten nervös über die Stop-Taste zuckt. Mit schrägen Nahaufnahmen von Gesichtern hat es Regisseur Eric Dean Hordes offenbar, denn er lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Mimen möglichst nah an die Linse zu bringen, was in einigen Fällen geballtes Unvermögen offenbart. Overacting ist hier an der Tagesordnung.

Eine stringente, sinnvolle Handlung ist indes kaum auszumachen. Irgendwie muss eine Jungfrau her, die wahlweise auch männlich sein kann, eine Tarnkappe wird nur bei Bedarf und nicht in wirklich wichtigen Fällen eingesetzt und eine neugierige Nachbarin mischt auch noch mit. Immerhin reicht es neben einer Handvoll Referenzen zu zwei Insidern im Darstellerbereich: Zum einen gibt Jirí Lábus nach etlichen Jahren wieder den Zauberer Rumburak aus „Die Märchenbraut“ und zum anderen hat sich George Hardy in die Szenerie verirrt, der in eben jenen „Troll 2“ mitwirkte.

Lustig gestaltet sich das Ganze allerdings nicht, zumal man durch hysterisches Getue einen auf Trash macht, was viel zu gewollt und gar nicht cool daherkommt. Zwar vermag der Score einen positiven Gegenpol mit vielen 80er Anleihen zu bilden und die Lichteffekte per CGI wirken grobschlächtig wie Anfang der 90er, doch spätestens bei den plumpen Versuchen von Dialogwitz geht dem Treiben rasch die Puste aus, was die schlechte Tonabmischung der Nachsynchronisation noch verstärkt. Denn an den teils großartigen Synchronsprechern wie Lutz Mackensy, Regina Lemnitz, Franziska Pigulla, Tilo Schmitz, Jürgen Kluckert oder Bodo Wolf liegt es nicht. Zudem sind zwei bekannte Sprecher direkt zu sehen: Santiago Ziesmer (Spongebob) als Nebenfigur und Helmut Krauss in einer seiner letzten Rollen, hier als Professor.

Wenn jemand mit einem Besen über Teile Baden-Badens hinweg reitet, was natürlich überdeutlich als Greenscreen erkennbar ist, kann das für einen Moment erheitern, bei der vierten Wiederholung verpufft so etwas, ähnlich wie die stets rot glühenden Klüsen bei schwarzmagischen Begehren. Das Ergebnis ist oftmals infantiler Klamauk, der null Horror und fast gar kein Blutvergießen einbindet und bewusst versucht, seine inszenatorischen Schwächen in den Vordergrund zu setzen, um trashig zu wirken. Kommt nicht so troll.
Knapp
3 von 10

Details
Ähnliche Filme