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Im Zuge der immer beliebter werdenden direct to video Sequels grub man auch „Wes Craven presents Dracula“ aus, um mit Patrick Lussier immerhin den Regisseur des Originals eine Trilogie daraus stricken zu lassen.
Allerdings ist die Anfangsszene noch mit das Beste an „Dracula II: Ascension“: Uffizi (Jason Scott Lee) verfolgt eine junge Frau, scheinbar ein Vampir auf der Suche nach einem Opfer. Doch dann zeigt sich, dass die Rollen an sich umgekehrt sind: Uffizi, genauer gesagt Pater Uffizi, ist ein Vampirjäger, die Frau in Wahrheit ein Vampir. Bei der Besetzung der Jägerrolle erinnert „Dracula II“ etwas an „Blood Hunter“ mit Don ’The Dragon’ Wilson und bietet zum Auftakt auch ähnlich nette Action, die Hunger auf nette B-Ware im Stil von „Blade“ macht.
Danach verlässt „Dracula II“ seinen Helden jedoch erstmal und konzentriert sich auf den gelähmten Professor Lowell (Craig Sheffer) und seine Studenten, welche durch einen glücklichen (???) Zufall Draculas Leiche in die Hände kriegen. Die Truppe bleibt leider gänzlich farblos, sämtliche Figuren sind wandelnde Stereotypen, weshalb man kaum Angst um die Horde hat, die es nun zu dezimieren gilt.

Nach Versorgung mit geklautem Blut steht Dracula (Stephen Billington) erneut auf, doch ist noch sehr schwach und kann gefangen genommen werden. Mit Experimenten will man hinter sein Geheimnis des ewigen Lebens kommen, doch er wartet nur auf Gelegenheit abzuhauen…
Einen Film von vorneherein als Teil einer Trilogie zu konzipieren ist nicht sträflich, doch er sollte (selbst bei dreisten Cliffhangern wie am Ende von „Zurück in die Zukunft II“ oder „Matrix Reloaded“) in sich geschlossen sein. „Dracula II“ hingegen ist nichts weiter als eine Einstimmung auf den dritten Teil ohne große Handlung und ohne vernünftiges Ende. Am Ende entkommt Dracula, das Gute feiert noch nicht mal einen Mini-Sieg und man hat nur Held und Bösewicht für die Fortsetzung eingeführt. Das grenzt an Zuschauerverarsche, zumal man noch nicht mal einen echten Spannungsbogen aufbaut: Die meiste Zeit wird nur langweilig über Dracula geforscht und experimentiert, erst gegen Ende geht es mit dem Dezimieren der Studenten etwas mehr rund.
Die Judas-Ansätze des Vorgängers lässt man bis auf ein paar Ausnahmen leider auch fallen, das sonstige Philosophieren über Dracula hat null interessante Ideen. Man greift lediglich asiatische Vampirmythen auf (z.B. das Vampire alles zählen und jeden Knoten lösen müssen), die aber kaum ein Zuschauer verstehen dürfte. Auch über Uffizi als Jäger und seine Motivation erfährt man so gut wie nichts, ein paar Alibiszenen erklären, dass er ähnlich wie die Helden in „John Carpenters Vampire“ im Auftrag der Kirche unterwegs ist.

Da man die meiste Zeit nur am Obervampir herumdoktert sind auch Konfrontationen von Vampirjäger und Kreaturen der Nacht nur gegen Ende zu finden und diese fallen dann auch sehr kurz aus. Zwar entfaltet „Dracula II“ hier noch mal ansatzweise den Drive der Anfangsszene und die Effekte sind auf passablem B-Niveau, wenngleich sie an ein oder zwei Stellen etwas besser sein könnten. Hier zeigt sich auch, dass man mit mehr Action einen vernünftigen B-Vampirfilm hätte drehen können, doch leider lässt „Dracula II“ diese Chance ungenutzt.
Auch darstellerisch ist man hier vom Optimum entfernt. Jason Scott Lee ist nicht schlecht, könnte aber etwas charismatischer auftreten (an die Coolness von Wesley Snipes aus „Blade“ kommt er lange nicht heran) und auch Craig Sheffer spielt die Rolle als Unsympath gewohnt routiniert, aber ohne neue Akzente. Die Darsteller der Studenten hingegen sind ziemlich mau und Roy Scheiders Gastauftritt ist kaum der Rede wert. Ganz besonders schlimm allerdings Stephen Billington als Neuauflage von Dracula: Null Ausstrahlung, zu keiner Sekunde ein würdiger Vampirfürst und als Oberbösewicht viel zu zahm.

Letzten Endes ist „Dracula II“ dann leider ein ziemlicher Langweiler mit einem Ende, das unverschämt dreist auf den dritten Teil verweist. Falls man das ganze verschenkte Potential des zweiten Teils dort nutzt, könnte was Vernünftiges draus werden, „Dracula II“ hat leider nur wenige gute Momente und die meisten davon in der Auftaktszene.

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