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Es ist schwer, sich „Ant-Man And The Wasp“ nicht als Füllepisode einer teuren TV-Serie vorzustellen. Man möchte ja so gerne den Blick auf die filmischen Besonderheiten dieses Kinofilms lenken, der immerhin annähernd 200 Millionen Dollar gekostet hat und somit seine ganz eigenen Schauwerte haben sollte, aber irgendwie kommt man nicht umhin, die Gemeinsamkeiten zu diesen unspektakulären Zwischenfolgen zu bemerken, die zur Aufgabe haben, die Zeit zwischen zwei Staffel-Highlights zu strecken. Jene Art von Folgen, an die man sich am Ende der Staffel kaum noch erinnern kann.

Vorwerfen kann man Peyton Reed eigentlich wenig, denn eigentlich macht er nicht viel anders als damals, kurz nach „Age Of Ultron“, als die Zuschauer spürbar aufatmeten, dass endlich mal jemand die Gigantomanie herunterfährt. Was war das für eine Erholung, das große Drama einfach mal hinter sich lassen zu können und sich kleineren Dingen zuzuwenden. Der zweite Auftritt des Ameisenmanns folgt nun erneut auf einen großen Knall, den größten überhaupt bisher. Beste Voraussetzungen also. Die Erschütterungen von Thanos' Faust erzeugen noch Nachbeben im Mark, da lädt uns Marvel dazu ein, mal wieder für zwei Stunden die Brennweite zu verändern und in die Welt der mikroskopischen Lebewesen einzutauchen. Profitiert wird also nicht nur von den Errungenschaften des ersten Teils, sondern natürlich auch vom gesamten Marvel-Produktionsdesign. Im Grunde gibt es keinen Grund zur Klage: Die Handlung entfaltet sich natürlich wie ein sich ausbreitendes Ökosystem, die Regie erlaubt sich keinen Schnitzer, die Erfolgsrezeptur wird optimiert und die Mikroperspektive weiter erforscht. Aber weshalb bleibt man im Abgang so entgeistert zurück?

Hier korrelieren offenbar Erwartungen an das, was man von einem Blockbuster erwarten kann mit dem, was für das Marvel Cinematic Universe erzählerisch als sinnvoll erachtet wird. Die Serialisierung oder Verkettung der Einzelfilme wird zum hausgemachten Problem: Wie soll man in Breitbild-Dimensionen immer wieder aufs Neue ins Staunen versetzen, ohne sich einem Prinzip der Marke „Superheld des Monats“ anzunähern, das sehr schnell ermüden würde? Ungeachtet des neuen Wespenanzugs für Evangeline Lilly, ungeachtet der letztlich zu sehr an die „Matrix Reloaded“-Zwillinge erinnernden neuen Figur „Ghost“ (immerhin von Hannah John-Kamen angenehm melancholisch verkörpert) oder der Einführung von Michelle Pfeiffer, man hat das unbefriedigende Gefühl, nichts Neues geboten zu bekommen, ob nun auf Ebene der Effekte, der Figuren oder der Geschichte. Das mag ein vages Gefühl sein, dem keine objektiven Kriterien zugrunde liegen; von einem Film mit diesem Budget sollte man auch erwarten dürfen, dass das Know-How für die technischen Aspekte vorhanden ist. Aber es wird unbestreitbar zumindest von einer Hälfte der Zuschauer geteilt und ist daher wohl keine Einbildung.

Wer Marvel-Filmsammlung ohnehin als teuerste TV-Serie aller Zeiten betrachtet, wird wohl auch mal über einen weniger gelungenen Abschnitt hinwegsehen können. Man verkauft schließlich auch nicht einzelne Datenträger aus seinen Staffel-Sets. Auf diesem System basiert ja überhaupt erst der Erfolg der Marke. Es ist aber schon sehr unbefriedigend, dass die so interessante Dimension des subatomaren Raums und das kosmische Spiel mit den Größenverhältnissen so wenig ausgereizt wird, dass tricktechnisch primitivere, wesentlich ältere Filme wie „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ oder „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ die Fantasie so viel mehr anregen. Und dann darf man nicht einmal darüber lästern, wie schlecht „Ant-Man And The Wasp“ ist, denn eigentlich ist er ja gut gemacht. Wie frustrierend.

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