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Deutschland 1944: in einer düsteren Kaschemme haben sich 4 wackere Amerikaner eingefunden, die noch so einiges vorhaben - vor allem deren Wortführer "Mad Dog" Murphy. Der will aber gar nicht so genannt werden, und als einer seiner Kumpanen ihn zu oft mit diesem Spitznamen anredet, erhält dieser eine Kugel ins Bein. Damit ist jener freilich immer noch besser bedient als ein einzelner SS-Offizier, der zufällig grad reinkommt, sich über das scheußliche Deutsch der Amerikaner wundert und diese festnehmen will: der bekommt einen Kopfschuß.
Zur gleichen Zeit spricht eine Brünette in einem nahegelegenen KZ mit ein paar Häftlingen - dem Vernehmen nach handelt es sich um Ilse Koch. Die ist mit Lagerarzt Josef Mengele verheiratet, welcher seinerseits gerade eine Audienz beim Führer hat, in der er seine Forschungen zur Züchtung von dringend benötigten Super-Soldaten für das untergehende 3. Reich erläutert. Die geplanten Werwolf-Kampfmaschinen will er mit Hilfe eines türkis-grünen Serums erschaffen, dessen Zusammensetzung gerade zwei andere SS-Schergen einem Wissenschaftler abpressen.
Währenddessen sind die wackeren Amerikaner aus der Kneipe bereits in einem GMC-Truck unterwegs, 2 von ihnen allerdings hinten auf der Pritsche am Weg in ein US-Sammellager, da sie sich aufmümpfig gegenüber Vorgesetzten benommen hatten. Als 2 SS-Offiziere mit Hilfe am Feldweg platzierter dünner Ästchen den Truck stoppen, übernehmen sie nach kurzem Feuergefecht wieder die Initiative: komplettiert durch 2 andere GIs ziehen die 4 zu Fuß weiter und erreichen schließlich das KZ, wo Dr. Mengele gerade die erste Spritze verabreichen will...

Dem Titel nach - Werewolves of the Third Reich - handelt es sich um ein billiges Trash-Filmchen, welches Regisseur und Drehbuchautor Andrew Jones da produziert hat, doch statt gruseliger Monster wird dem Zuschauer zunächst lange Zeit belangloses Gelaber irgendwelcher Schießbudenfiguren geboten, deren Auftreten und Wirken in keinem nennenswerten Zusammenhang stehen. Erst nach über einer Stunde Laufzeit darf sich ein Auserwählter dann in einen miserabel maskierten Werwolf verwandeln, hat danach aber kaum 2 Minuten Screentime und wird sang- und klanglos mit ein paar Kugeln erledigt.

Doch nicht der dreiste Etikettenschwindel nervt am meisten, sondern das unaufhörliche Gesülze der übrigens sehr wenigen Darsteller, die zudem beabsichtigt entweder ein schauderhaftes Englisch (Dr. Mengele) oder einen starken US-Akzent (Mad Dog) sprechen. Einige eingeflochtene Sätze auf Deutsch(?) sind dabei nur dank Untertitelung zu verstehen - der Sinn des Ganzen erschließt sich dem Zuschauer aber dennoch nicht.
Nicht täuschen lassen sollte man sich auch von den verwendeten Rollennamen Ilse Koch, Dr. Hammerstein, den SS-Offizieren Hess und Streicher oder gar dem Führer selbst, der nebenbei einen Hustenanfall erleidet und während seiner kurzen Performance ohnehin wie eine Karikatur auftritt - deren Rollen haben beinahe nichts mit den historischen Personen zu tun.
Die Hauptrollen "Mad Dog" Murphy (der mit einem Maximum an Arroganz und Verachtung gegenüber den Nazis auftritt und immer wieder die als Running Gag postulierte rhetorische Frage stellt, ob seine Kameraden denn wüßten, was er als liebstes tut - killing nazis, ja genau) auf der einen Seite und Dr. Mengele (Neville Cann, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, konsequent ein nasal-deutsches Englisch spricht und als Mad Scientist erstaunlich lange am Leben bleiben darf) auf der anderen Seite bilden zwei wenig ausgefeilte Gegenpole, die die dünne Handlung allerdings kaum zu tragen vermögen.

Das nicht vorhandene Budget sieht man dem Film leider in jeder Szene an, begonnen von den wenigen Uniformstücken über die allerbilligsten CGI-Kopfschüsse, bei denen stets die Kameralinse vollgespritzt zu werden scheint bis hin zu den unbeschreiblich schlechten Werwolfmasken. Die am Tisch platzierten Gehirnhälften, mit denen der Film-Mengele sein Vorhaben beschreibt, sind den Lufteinschlüssen nach zu urteilen kurz zuvor glasiert aus dem Töpferofen gekommen. Der sauber polierte US-Truck, der damit so richtig nach Kampfhandlung(?) aussieht, scheint den Ausflug aus dem Museum soweit auch gut überstanden zu haben und kann daher selbstverständlich nicht über ein paar entrindete(!) Ästchen fahren, die da im Weg liegen. Zu deren Beseitigung braucht es dann folgerichtig auch mindestens 2 Männer, was wiederum 2 buchstäblich aus dem Nichts der sauber gepflügten umliegenden Äcker auftauchenden SS-Männern Gelegenheit zu einem Auftritt gibt.
Die Nebenhandlung mit Ilse Koch, die ein Verhältnis mit SS-Offizier Becker hat, weswegen dieser unfreiwillig die erste Werwolfspritze bekommt, wird ebensowenig weiter ausgeführt wie ein wie eine Schule aussehendes KZ mit nicht einmal 10 Insassen, Wachsoldat inklusive - wtf?

Der in Wales gefilmte Werewolves of the Third Reich mit seinen Inglorious Basterds für Arme zeichnet sich somit weder durch seine wenigen, unpassenden Locations noch durch besondere sprachliche Spitzfindigkeiten oder gar einen eigentümlichen Humor aus, sondern produziert mit zunehmender Dauer nur Langeweile. 2 Punkte.

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