Review

Zwischen den Zeilen der Straße

Detlev Buck zeichnet mit seiner stylisch-sprunghaften Gangster-Thriller-Komödie "Asphaltgorillas" ein Bild von Berlins Milieu, wie man es sonst eher aus Bangkok, New York oder Tokio kennt und trifft damit den Zahn der Zeit. Zwischen Guy Richie und Nicolas Winding Refn, zwischen "4 Blocks" und "John Wick", zwischen typisch deutsch und Weltstadt. Herausgekommen ist ein wilder Mix, der Eier hat und sogar international mitschwimmen kann. Nicht bei den ganz Großen, aber im eigentlich ja eh viel interessanteren und sympathischeren Randprogramm. Erzählt wird sprunghaft, manchmal abgehakt und mit unnötig vielen Nebenschauplätzen, von zwei Sandkastenkumpels, die sich im Neonlicht Berlins wiederfinden. Der eine arbeitet für einen mafiösen Araber-Unterweltboss, der andere fährt zwar Lambo, ist aber noch immer der Hochstapler von früher, durch dessen zwielichtige Machenschaften und Geldfälschereien die beiden nun in Teufels Küche kommen und sich die Leichen um sie herum stapeln...

"Asphaltgorillas" hat einen sehenswerten Stil. Das muss man ganz dick unterstreichen. Selbst wenn manch eine Zeitlupen-Klopperei eher wie gewollt aber nicht gekonnt aussieht. Der Soundtrack pumpt abartig geil (u.a. komponiert von Berlinkenner und Stadtaffe Peter Fox), visuell gibt es kinetische Spielereien an jeder Ecke (manche auch sehr gelungen!) und Langeweile bleibt ein Fremdwort. All das macht ihn sicher zu einem der deutschen Must-Sees des Kinojahres, nicht nur für Gangsterrap-Fans (die mit Kurzauftritten u.a. von Capital Bra oder Ssio belohnt werden). Leider baut der humorvolle und manchmal an Satire grenzende Styler auf dieses geile Fundament nicht perfekt auf. So macht die Geschichte wenig her und ist zudem noch arg zerstückelt, wirr, nichtssagenden, platt, schell vergessen. Zudem wird die Balance aus harter Gangsterkost und augenzwinkernder Persiflage nicht immer ideal gehalten. Oft, aber nicht durchgängig. Während Hauptdarsteller Samuel Koch seine Sache top macht, fallen zudem schauspielerisch immer wieder einige total durch. Jannis Niewöhner übertreibt meistens und trifft selten den richtigen Ton, auf Stefanie Giesinger und ihren schrecklichen Fake-Akzent hätte man verzichten müssen und der Typ von Alarm für Cobra 11 bleibt auch besser bei RTL. Dagegen wirken Kida Khodr Ramadan oder Georg Friedrich in gewohnt-genialen Rollen absolut fit. Was bleibt ist ein Überraschungspaket, das leuchtet, blitzt und sich manchmal überhebt, das man jedoch nicht missen möchte.

Fazit: stylisch ein großer Wurf, schauspielerisch durchwachsen, erzählerisch aufgebauscht aber insgesamt mutig, anders und cool - Buck gelingt es mit "Asphaltgorillas" dem Gangster- und Neo-Noir-Genre in Deutschland neue Facetten abzugewinnen und gut zu unterhalten. Damit kann man sich auch international sehen lassen, selbst wenn Vorbilder und Einflüsse unverkennbar sind. 

Details
Ähnliche Filme