Review

Der Facehuggerkomplex


„Eraserhead“ meets „Spider“ - „Possum“ ist psychologisch-surrealer Arthouse-Horror der feinsten, kranksten und verstörendsten Sorte! Wer Angst vor Puppen und/oder Spinnen hat, der steht hier wohl vor dem größten Alptraum seines Lebens! Wir folgen in dem tristen, aber irgendwie wunderschönen Geheimtipp einem Puppenspieler, der aus nicht näher genannten (aber geahnten!) Gründen aus seinem Job „entlassen“ wurde. Nun besucht er sein Elternhaus bzw. seinen strengen Onkel - im Gepäck die spinnenartige, titelgebende Puppe, die er seltsamerweise nie ganz loslassen/loswerden kann...

„Possum“ ist faszinierend und, wenn man sich durch ein wenig Repetition und zahmes Tempo beißt, ein enorm fieses Erlebnis. Es geht um Schuld, Traumata und Missbrauch, es geht um innere Dämonen und entführte Kinder, es geht um Vergangenheit und Verdrängung. All das getragen von einer der ekelhaftesten, gruseligsten Puppen, die ich je gesehen habe, erhabenen, fast schon apokalyptischen oder (vor-)höllischen Bildern und Szenerien und einem mehr als intensiven Sean Harris, dem man diese aufopferungsvolle, überfällige Hauptrolle total gönnt. „Possum“ ist Alptraum- und Arthauskino bis ins Mark - sowohl seinem eigenen als auch des Zuschauers. Bitter und - vor allem in den Belangen die er nicht (!) zeigt und die man sich denken „darf“ - absolut grausam. Im positivsten und dennoch unangenehmsten Sinne! 

Fazit: ein sehr intimer Abgrund. Auf seine spezielle Art oft genug außergewöhnlich creepy und verstörend. Mit heftigsten Themen und Metaphern. Die „Possumpuppe“ ist wahres Alptraumfutter und Sean Harris spielt herausragend. Geduldiger Tipp! 

Details
Ähnliche Filme