Nachts in einer Moskauer U-Bahn-Station: Mehrere Leute warten auf die U-Bahn - darunter ein nervöser Börsenmakler, eine kostümierte asiatische Rollenspielerin mit Schwert, ein Typ mit einem an Handschellen befestigten Aktenkoffer, etc. Sie steigen in einen Wagen des Zuges, ein junges Pärchen kommt später noch hinzu, alles ganz gewöhnlich. Plötzlich aber geht es nicht weiter, man hört den U-Bahn-Fahrer noch ins Mikro röcheln, dann scheint im vorderen Zugteil etwas Unheimliches vor sich zu gehen - die erwähnten Fahrgäste können gerade noch aus dem Zug fliehen.
Ein paar Tage später macht sich ein anderes Pärchen Sorgen um das befreundete oben erwähnte Pärchen und stellt Kontakt her zu einem titelgebenden Digger, d.h. einem im (Moskauer) Untergrund kundigem Freak, der sie führen will, damit sie den Geschehnissen auf die Spur kommen. Gesagt, getan, mit dem Auto angereist seilen sie sich zu dritt in den Untergrund ab und die Spurensuche kann beginnen. Dort unten, so hat es den Anschein, haust etwas Schreckliches - oder ist es nur eine urban legend?
Hinter dem alternativen Allerwelts-Titel The Night Train verbirgt sich ein russischer U-Bahn-Grusler, den Regisseur Tikhon Kornev mit unbekannten Nachwuchs-Darstellern abgedreht hat - entsprechend gering sind die Erwartungen. Dabei gelingt es dem Film durchaus, mit einfachen Mitteln eine spannende Atmosphäre zu erzeugen: Die fast ausschließlich in dunklen Schächten und Tunneln spielende Suche ist inklusive einiger Kamera-Spielereien wie auf dem Kopf stehenden Bildern oder einer verfremdeten Optik aus Monster-Sicht ordentlich abgefilmt, das Setting wirkt authentisch dreckig und die Charaktäre sind zwar sehr verschieden, müssen aber gezwungenermaßen zusammenarbeiten. Das Drehbuch läßt die um wenige Tage zeitversetzten Erlebnisse der Gruppen im Untergrund parallel ablaufen - da sie auf ähnliche Hindernisse stossen, ist das prinzipiell zwar keine schlechte Idee, allerdings fallen die Trennstellen wann nun die eine Gruppe dies, die andere Gruppe das erlebt, zu unscharf aus, sodaß man schnell verwirrt ist, wer gerade in einer U-Bahn eingesperrt wurde oder wer gerade einen Nebenraum mit aufgehängten Ratten entdeckt hat.
Während sich aus den beiden Gruppen zumindest das ihre Freunde suchende Pärchen Artem und Lena als "am vernünftigsten" herauskristallisiert, bleiben die anderen Charaktäre, die noch um einige dort unten aufgefundene Mitglieder eines Filmteams verstärkt werden, eher blass. So geht es mindestens eine halbe Stunde reichlich planlos durch den Untergrund, man findet eher verwirrende Spuren wie einen hell erleuchteten Tannenbaum bei den Gleisen, aber auch einen Nebenraum mit Sezier-Werkzeug. Kurz bevor es dann langweilig zu werden droht, taucht schließlich doch eine Kreatur auf und beide Gruppen müssen jeweils fliehen. In der Folge wirken die Zusammenschnitte der zeitlich versetzten Flucht noch verwirrender, da es erste Verluste gibt. Diese werden meist im Off oder im Gegenschnitt, jedenfalls im Halbdunkel gezeigt, was zu diesem Zeitpunkt die Spannung noch ein wenig steigert - leider wird das Monster gegen Ende des Films dann jedoch in voller Pracht präsentiert, da aber die Kreatur haarsträubend schlecht zusammenmontiert ist, stirbt ab diesem Zeitpunkt jegliche Hoffnung auf ein überraschendes oder gar innovatives Ende. Auch zwei angedeutete, jedoch völlig mißlungene Plot twists zum Ende hin, als die Handlungsstränge zusammengeführt werden, können nichts mehr retten.
Für den Zuseher, der den wenigen Dialogen aufmerksam gefolgt ist in der Hoffnung, daß die kurzen Statements der Darsteller (oder auch deren Optik) etwas mit der Auflösung zu tun hätten ist das ziemlich enttäuschend, zumal das Ende viel zu schnell heruntergespult wurde und die Plottwists dieser nur 80 Minuten dauernden Produktion damit fast untergehen. Schade, da war mehr drin. 4 Punkte.