Review

„Was einmal gut ging, geht auch ein zweites Mal gut…“, dachte sich Stefan Ruzowitzky und lieferte dem deutschen Genre-Publikum drei Jahre nach dem grundsoliden Thriller „Anatomie“ ein Sequel. Doch das, was dabei herausgekommen ist, kann man keineswegs als grundsolide bezeichnen, sondern ist eher am Grund, dem Bodensatz, des deutschen Filmes anzusiedeln.

Zwei Jahre nach den Ereignissen von Heidelberg befinden wir uns an einem anderen Ort, an dem die Riege der Antihippokraten ihr Unwesen treibt: in einem Berliner Krankenhaus. Doch diese Gruppierung der Antihippokraten zeichnet sich nicht dadurch aus, Versuche an willenlosen Opfern durchzuführen. Nein, sie führen Selbstversuche an sich und ihren Mit-Antihippokraten durch. In diese Gruppe gerät nun auch der junge Arzt Jo (Barnaby Metschurat), der sein Praktikum in diesem Krankenhaus macht. Zunächst folgt er blindlings den Aktivitäten der Gruppe rund um Dr. Müller-LaRousse (Herbert Knaup), doch schon bald wird er der Gefahr gewahr, die von den Selbstversuchen ausgeht…

Herrgott noch mal… musste das denn wirklich sein? „Anatomie“ war ein guter Vertreter des deutschen Films, der auch international Beachtung fand. Musste man den dadurch nahezu hergestellten guten Ruf des deutschen Films wirklich mit so einer misslungenen Fortsetzung aufs Spiel setzen? Offensichtlich schon… denn mit dem hier talentfrei agierenden Barnaby Metschurat wurde auch direkt in der Hauptrolle die richtige Grundlage für einen Flop gelegt. Gepaart mit einem vor Schwachsinn nur so strotzenden Drehbuch katapultiert sich Regisseur Stefan Ruzowitzky behände von einem guten Mittelfeld Platz in der 1.Bundesliga der deutschen Filmemacher direkt in die Kreisklasse. Die optischen Aussetzer im Stile von billigen Musikvideos tun da ihr übriges, um den Film wirklich unerträglich zu machen. Auf der Suche nach positiven Aspekten bei „Anatomie 2“ wird man nur schwerlich – ach was soll’s – man wird nie fündig. Selbst Herbert Knaup und Wotan Wilke Möhring, von denen man sonst nur durchweg gute Leistungen gewohnt ist, erschrecken im Falle von „Anatomie 2“ mit einer unterirdischen Performance. Traurig, aber wahr.

Was hätte diesen Film noch retten können? Was hätte mich dazu bringen können, doch noch ein wenig Begeisterung zu zeigen? Schlichtweg alles… Einfach alles hätte Herr Ruzowitzky anders machen können, um mich versöhnlich zu stimmen. Da habe ich mich doch zeitweise dabei ertappt, wie ich auf einen Gastauftritt von Lee Majors, der vor der Wissenschaftler-Gruppe als „6-Millionen-Dollar-Mann“ über die Vorzüge von bionischen Implantaten im Alltag referiert, gehofft habe. Doch weder hat der Regisseur hier irgendwelche Anstalten gemacht, halbwegs ordentliche Unterhaltung zu bieten, noch hat er mir den Wunsch erfüllt, den Colonel Steve Austin wieder zu sehen, und daher kann nur ein Urteil über die Fortsetzung der „Anatomie“ gefällt werden: filmisch übelste Ausschussware, die es einfach nicht zulässt, eine höhere Wertung als die Mindestwertung zu vergeben. 1/10 Punkten…

Details
Ähnliche Filme