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„Anatomie“ sorgte anno 2000 für volle Kassen, also ließ man 2003 „Anatomie 2“ auf die Menschheit los, Drehbuch und Regie erneut Stefan Ruzowitzky, doch dieses Mal weitaus weniger erfolgreich.
Paula Henning (Franka Potente) ist aber nicht mehr die Heldin, sondern ist mittlerweile beim BKA, kann Antihippokraten 20 km gegen den Wind riechen und hat nur eine Nebenrolle. Hier ist der Jungarzt Joachim ’Jo’ Hauser (Barnaby Metschurat) also nun derjenige, der ins Visier der Antihippokraten gerät, als er eine Stelle als AIPler in Berlin antritt, wo Professor Charles Müller-LaRousse (Herbert Knaup) die große Koryphäe ist und ein Team hoffnungsvoller Nachwuchsmediziner führt.
Damit wäre schon jedem Zuschauer klar, woraus sich wohl die Kerntruppe der Antihippokraten zusammensetzt, doch Jo ist von ihnen fasziniert. Als er sein Können beweist, wird es ins Team aufgenommen, welche künstliche Muskelfasern herstellen will...

Im Gegensatz zum Vorgänger ist „Anatomie 2“ kein Slasher mehr, sondern ein Medizinthriller mit gänzlich anderem Stil, trotz einiger Bezüge zum ersten Teil. Allerdings dermaßen nach Schema F gestrickt, dass es ärgert. Fast die ganze Zeit über rennt Jo blauäugig seinen Idolen hinterher, obwohl man schnell merkt, dass im Weg Stehende vom Dach geworfen werden oder der Prof ihnen höchst persönlich das Hirn zu Grütze schnippelt, damit sie schweigen. Fast schon bemerkenswert spät löst sich Jo dann von ihnen, muss etwas um sein Leben fürchten, doch am Ende wendet sich alles zum Guten.
Das ist schon Standard, aber die Präsentation des Ganzen ist himmelschreiend blöde und unfreiwillig komisch. Schon beim medizinischen Auftritt darf Jo noch die Jungärztin Viktoria (Heike Makatsch) auf dem OP-Tisch ordentlich durchschraddeln. Die sieht zwar aus als käme sie aus der Pathologie (und zwar Kühlkammer, Abteilung liegend), doch knallt ihm so viele Drogen rein, dass das kein Hindernis mehr ist. Wie ein Kippschalter kennt Jo auch keine alten Freunde mehr, sobald er Clique und Sexualsportvorsatzgerät wechselt, aber die sind genauso blöd wie er und helfen ihm, sobald er sich in die Scheiße reitet. Dabei handelt sich um einen Haufen philippinischer Krankenschwestern, mit deren Hilfe man aber auch in Rekordzeit Schädelbasisbrüche behandeln und künstliche Muskeln nebenwirkungsfrei entfernen kann – ohne dass eine von denen Doktor wäre.

Die Idee mit den künstlichen Muskeln sorgt hier eh für einen Trashfaktor sondergleichen: Die Chose geht schon in Richtung Cyborg, warum man den Kram an sich selbst testen muss, macht auch nicht gerade Sinn, doch der Hammer sind die Umstände, dass die Teile a) per Computer fernsteuerbar sind und b) mit einer Batterie betrieben werden. Beide Umstände erfährt man aber erst zu gegebener Zeit und muss sie dann ohne weitere Erklärungen akzeptieren – ebenso wie die Tatsache, dass gegen Ende auf einmal Nebenwirkungen erwähnt werden und die Sunnyboys (plus Girl) sich in ein paar unmotivierten Szenen Drogen reinknallen, um die Sache zu ertragen. Besonders trashig auch das Fußballspiel, wo Jo dank neuer Wadenmuskeln für einen Endstand von 12:0 sorgt und die Medizinbubis einem anderen Spieler ohne besonderen Sinn Endorphine spritzen, die wohl nicht nur glücklich, sondern auch schwul machen.
Die Logik bleibt dabei auf der Strecke, Klischees gibt es en masse. Zwei Teammitglieder (natürlich die mit den kürzesten Haaren) schwärmen von der Schaffung einer Herrenrasse, ganz Nazi-like. Es kommt auch Eifersucht in der Gruppe auf, weil Jo des Professors Liebling wird – der Rivale will sich im Gegensatz zu Jo aber auch nicht für die Wissenschaft muskeltechnische generalüberholen lassen – Chance vertan. Jo hingegen ist so blöd, dass er angesichts der Tatsache, dass die Antihippokraten alles unterwandert haben zur Krankenhausleitung rennt, die (oh Wunder) natürlich auch mit drinhängt. Aber zum Glück kommt jedes Mal unglaubwürdig ein deus ex machina, um ihn zu retten (selbst im Finale).

Selbst im Bereich oberflächlicher Schauwerte versagt „Anatomie 2“ kläglich. Die Antihippokraten ermorden ein paar unliebsame Subjekte, dabei gibt es aber nur wenig Blut zu sehen und noch weniger Spannung. Auch die paar Verfolgungsszenen lassen Saft und Kraft vermissen, allenfalls das Duell auf dem Dach ist noch ganz nett anzusehen.
Den letzten Sargnagel setzt allerdings noch das gnadenlose Overacting der meisten Beteiligten; vor allem Barnaby Metschurat und Hebert Knaup sind am Rande der Selbstparodie. Heike Makatsch verwendet scheinbar ihr Zombie-Make-Up aus „Resident Evil“ wieder und spielt auch mit der Hingabe und Emotionalität eines Stück Totholzes. Allenfalls Nebendarsteller wie Franka Potente und Woltan Wilke Möhring sind noch ganz gut.

Der Vorgänger war schon keine Offenbarung, doch „Anatomie 2“ ist einfach Schrott: Langweilig, unglaubwürdig, trashig und bei seiner unfreiwilligen Komik noch nicht mal so lustig wie sich die Chose liest. Professionell gemacht, aber auch das rettet diesen Vollschrott eigentlich nicht mehr.

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