Der junge Arzt Jo (Barnaby Metschurat) beginnt voller Idealismus sein Praktikum in einem Berliner Krankenhaus, wo er bald im Team des renommierten Professors Müller-LaRousse (Herbert Knaup) aufgenommen wird. Zu spät erkennt er, worauf er sich eingelassen hat. Müller-LaRousse ist Mitglied einer bedrohlichen Loge, und das immer bedrohlicher werdende Projekt hat schon mehr als ein Opfer gefordert.
Nach dem Überraschungs-Erfolg "Anatomie" kam drei Jahre später der Nachfolger in die Kinos, der von Kritikern zerissen, von Zuschauern gehasst wurde und sich im Endeffekt auch als ziemlicher Kassenflopp rausstellte.
Gut, Geschmäcker sind verschieden, trotzdem versteh ich das nicht ganz, da wir es mit einem astreinen Thriller zu tun haben.
Wahrscheinlich waren bei vielen Leuten die Erwartungen falsch angesetzt, da sie wieder einen Slasher erwartet haben, was "Anatomie 2" definitiv nicht ist. Auch ansonsten verbindet ihn nicht viel mit Teil 1, das "Heidelberg-Massaker" wird in einem Satz nur so nebenbei erwähnt, es geht hier lediglich um Anti-Hippokraten, "Scream-Queen" Franka Potente, "Heldin" aus Teil 1 hat einen Gastauftritt in zwei kurzen Szenen und macht Jagd auf Angehörige dieser Vereinigung.
Die Thematik um diese synthetischen Super-Muskeln ist originell und einwandfrei umgesetzt. Ich bin zwar nicht annährend Mediziner, aber ich finde das ganze Drumherum glaubwürdig verfilmt. Warum sollte es nicht so sein, wenn es so etwas wirklich geben würde (Abgesehen von der Sache mit der Batterie) ? Ob das jetzt auch bei Zuschauern mit weißen Kitteln realistisch rüberkommt, ist mir Wurst. Ich wende, zwecks des Unterhaltungswert, einfach das "Stirb Langsam"-Prinzip im Bezug auf Realitätsnähe an. Mclane macht auch im Alleingang 200 Leute platt ohne angeschossen zu werden. Wayne?
Die Jung-Schauspieler um Herbert Knaup herum spielen ihre Rollen überraschend gut. Jeder verleiht seinem Charakter ein eigenes glaubwürdiges Profil. Ob Macht und Erfolg, den Bruder zu retten, oder "jugendlicher" Leichtsinn der Antrieb der Akteure sind, alle Handlungen bleiben stets nachvollziehbar, was der Drogenkonsum der Jung-Mediziner zusätzlich unterstreicht.
"Anatomie 2" fängt mit der Märtyrer-Schlitzer-Szene furious an, Regisseur Stefan Ruzowitzky versteht es, dem Zuschauer ohne Längen die Story schmackhaft und interessant zu garnieren. Mit zunehmender Zeit nimmt der Zerfall und steigende Drogenkonsum der Jung-Mediziner stetig zu. Kleine Wendungen sorgen zudem auch für Laune.
Zwar ist der Score nicht so diabolisch gelungen wie in "Anatomie 1", dafür kommen auch mal stimmige Rock-Nummern zum Einsatz.
Nur die Einlage mit den philippinischen Krankenschwestern will nicht so recht da rein passen. Vom Wohnheim, das sehr ans Rotlicht-Milieu erinnert, bis hin zur OP an Jo im Schluss-Drittel. Es passt nicht und wirkt unglaubwürdig.
Ein Wort noch zu Heike Makatsch: Zombie? Ich finde, sie sieht bezaubernd aus, große Augen, geiler Blasmund und ´ne nette Frisur. Ich bin zwar kein Quasimodo, aber nach so ´ner Freundin würde ich mir die Hände lecken.
Wie geht man am besten vor, um "Anatomie 2" zu genießen?
Meine Empfehlung: Keinen Slasher erwarten wie bei Teil 1, Hirn aus (ich ließ es an und es ging ohne Probleme) und die außergewöhnliche Story um genießen.
Mir hat Teil 2 noch ein klein wenig mehr zugesagt wie der Vorgänger.
8,5/10