Liebe Macher des Filmes "Anatomie 2",
ich werde das Gefühl nicht los, hier Opfer einer großangelegten Zuschauerverarschung geworden zu sein. Anscheinend haben Sie bei ihrem minderwertigen Produkt mehr Geld in Promotion als in filmische Qualität gesteckt. Mit erneut nicht genehmigten Experimenten hinsichtlich des Storygerüstes haben Sie es sich wahrlich leicht gemacht, auch wenn wir es hier immerhin mit Selbstversuchen zu tun haben. Synthetische Muskeln nun als die den Grundkern umhüllende Thematik zu verwenden, mag ansatzweise - und dies ist wenigstens positiv zu vermerken - noch funktionieren, doch die Umsetzung ist geradewegs charakteristisch für Banalität.
Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass sich jemand freiwillig den hier zusehenden operativen Selbstversuchen unterzieht, bei denen höchst hässliche 20 Zentimeter Reißverschlussnarben zurückbleiben, mit denen einem dann ein Job im Gruselkabinett sicher sein dürfte. Aber okay, es soll ja Leute geben, denen für Erfolg nichts freakig genug ist. Ach ja, und meinen Sie nicht auch, dass das hier eingebrachte Pseudo-Psycho-Gesülze nicht etwas überzogen ist? Oder haben Sie das extra für die Zielgruppe der anspruchslosen Mainstreamteenies eingebaut? Wahrscheinlich, denn mit ein paar blutigen OP-Sequenzen ist die Sache für Sie dann wohl gelaufen und der popcornmampfende, nicht reflektierende Zuschauer wird zufrieden sein.
Mittels guter Werbestrategie sind die hohen Besucherzahlen ja so gut wie gesichert und da kann man dann auch schon mal auf Spannung gänzlich verzichten. Ebenso setzt man den minimalen Versuch, eine stimmige Atmosphäre aufzubauen, vollkommen in den Sand, obwohl es bei einem Film dieser Thematik und diesen Titels keine besseren Voraussetzungen geben kann, als die Möglichkeit, verhäuft mit sterilen unheimlichen OP-Räumen als verwendete Location und dazu einer passenden Geräuschlosigkeit zu arbeiten. Dies ist allenfalls ein einziges Mal relativ zu Anfang der Fall. So hat man wieder herrliche Möglichkeiten gnadenlos verspielt, sodass sich der Filmliebhaber grün und blau darüber ärgern darf.
Im Bereich der Inszenierung haben Sie nur - ausreichend für geringe Ansprüche - das Nötigste getan und können immerhin mit annehmbarer musikalischer Untermalung nicht negativ auffallen. Doch ohne Kritik kommt man hier ebenfalls nicht aus, denn welchem Zweck dient die immer ganz leicht wackelnde Kamera in selbst unspektakulären Szenen? Etwa ein für mich nicht erschließbarer, künstlerischer Anspruch?
Zu guter Letzt noch einige Worte zu den Darstellern, um ihr großes, hier geschaffenes Werk nicht gänzlich zu verreißen, denn wenigstens in diesem Punkt kann man Engagement verspüren. Dem jungen Hauptprotagonisten Barnaby Metschurat ist an einigen Stellen schauspielerische Unreife zwar noch anzusehen, doch sein ernsthaftes Bemühen und die auf alle Fälle akzeptable Vorstellung ist lobenswert zu verzeichnen, ebenso wie die Darbietungen von den Nebendarstellern, wobei Herbert Knaup noch hervorzuheben ist, der den verrückt ehrgeizigen Professor Müller-LaRousse angemessen verkörpert, auch wenn das Skript in seinen einzelnen Eigenschaften zu Übertreibungen neigt.
Aber alles in allem kann das nicht über ihr unbefriedigendes, lustloses und anti-spannendes Häufchen von Film hinwegtäuschen, das in fast allen Belangen nur enttäuscht und trotz meiner persönlich nicht all zu hohen Erwartungshaltung deutlich schwächer als der auch schon nicht herausragende Vorgänger ist. So ein Totalschaden ist absolut nicht kinowürdig.
Mit den freundlichsten Grüßen 2 Punkte.