Mein Vater ist für mich einer der besten deutschen Filme der vergangenen Jahre. Vor allem die Darstellung der beiden Hauptakteure Götz George und Klaus J. Behrendt ist so intensiv, daß man unwillkürlich erschrecken muß, über ein solches Maß an Authentizität. Speziell Götz George verschmilzt derart mit der Rolle, daß sie wirklich niemanden kalt lassen kann.
Es ist ein verstörender, aufrüttelnder Film, der Sie noch sehr lange nachdenklich stimmen wird, über das immer noch sehr stark in der Gesellschaft tabuisierte Thema der Alzheimerschen Krankheit.
Wer jetzt aber einen schnulzigen, moralinsauren, problembehafteten Film erwartet, der womöglich gar mit dem "erhobenen Zeigefinger" daherkommt, liegt hier völlig falsch. Der Regisseur Andreas Kleinert hat sich selbst übertroffen, und er schafft diesen schwierigen Spagath meisterhaft.
Dieser Film ist vor allem eins, er ist durch und durch, von der ersten bis zur letzten Minute glaubwürdig. Er wirkt nie überzogen, überhaupt verzichtet Andreas Kleinert auf fast alle Stilmittel, um diesen Film künstlich zu überhöhen.
Dieser Film ist so glaubwürdig dargestellt, daß sich an beide Ausstrahlungen Diskussionsrunden anschlossen, die sich intensiv mit dem Thema Alzheimer auseinandersetzen.
Man kann nur hoffen, daß dieser Film nicht als "Lehrmaterial" verkümmert, und hoffentlich irgendwann den Weg auf DVD finden wird.
Fazit:
Eine der gelungensten Fernsehproduktionen der letzen Jahre, die mal wieder das auch weltweit sehr hohe Niveau der öffentlich rechtlichen deutschen Fernsehproduktionen mehr als nur bestätigt. Unbedingt anschauen, auch wenn man nicht direkt oder indirekt von der Alzheimer-Problematik betroffen ist. Es ist ein Film der sie von der ersten bis zur letzten Minute in Ihren Bann ziehen wird. Ein Film an den Sie noch sehr lange denken werden.