"Eine Illusion kann nicht lebendig werden und deinen Körper übernehmen."
Die junge Popsängerin Mima Kirigoe ist Mitglied der nur mäßig erfolgreichen Gruppe Cham und verkündet in ihrem letzten Auftritt ihren Wechsel zur Schauspielerei. Mima's Fans und ihre Managerin Rumi sind davon jedoch weniger begeistert. Nach den ersten, eher belanglosen Dreharbeiten nimmt Mima immer freizügigere Rollen und Fotoshootings an, ganz entgegen ihrem Image als unschuldiges Popsternchen. Durch ihre selbst aufgebauten Anforderungen und dem Druck der Öffentlichkeit gerät Mima's Wahrnehmung immer mehr ins schwanken. Als sie schließlich erkennt, dass ein Unbekannter jeden ihrer Schritte und selbst ihr Gefühlsleben im Internet veröffentlicht, beginnen die Menschen in ihrem Umfeld gewaltsame Tode zu sterben.
Der Einstieg in "Perfect Blue" vermittelt nicht, wohin der Anime letztendlich will. Zunächst ist eine alberne Power Rangers Variante und der Auftritt der verniedlichten Girliegroup Cham zu sehen. J-Culture in Reinform könnte man meinen und auch weiterhin erwarten. Der gezeichnete Film entpuppt sich allerdings als lupenreiner Psychothriller mit realitätsnahem Animationsstil.
"Perfect Blue“ beginnt sehr harmlos und in gemächlichem Tempo, gewinnt aber zunehmend an Fahrt und steuert zielstrebig zur überraschenden Auflösung hin. Das erhöhte Tempo und die schnell aufeinander folgenden Einzelszenen sorgen für eine kontinuierliche Steigerung der Spannung in der zweiten Hälfte.
Durch Bezugspunkte zu der Protagonistin und nicht mehr zuordbare Bilderfolgen aus Realität, Wahnvorstellungen, Mima's Rolle als Schauspielerin oder ihren Träumen verschwimmt auch für das Publikum die Grenze von Wahrheit und Fiktion bis zur endgültigen Verwirrung.
Zwar bietet der Film letztlich eine ansprechende Auflösung, doch bei einigen Bildfolgen fragt man sich im Nachhinein doch, ob die innere Logik gewahrt wurde.
Seine Stärken demonstriert "Perfect Blue“ in seinen Thrillerkomponenten. Gerade für einen Animationsfilm sind die komplexen, doppelbödigen Psychospielchen und schizophrenen Tendenzen mit gespenstischen Visionen eine überraschende Ausnahmeerscheinung, die virtuos in Szene gesetzt werden.
Dabei ist der Film nicht gerade zimperlich. Blutige Messermorde und schlüpfrige Szenen sorgen für eine anspruchsvolle Erwachsenenunterhaltung. Gerade in seinen zeigefreudigen Momenten nimmt der Psychothriller kein Blatt vor den Mund.
Die musikalische Untermalung erweist sich als wechselhaft und stimmungsvoll. Fröhlich-kindliche Melodien ganz dem J-Pop unterlegen wechseln sich mit düsteren, unterschwelligen ab. Insbesonders die psychotischen Szenen profitieren vom subtilen Soundtrack.
Die Qualität der Zeichnungen ist dagegen schwankend. Die Hintergründe sind zwar detailreich aber auch auffallend statisch und leblos. Da "Perfect Blue“ auf einen realitätsnahem Stil setzt, sind die Proportionen der Figuren realistisch, was dem Thema des Films zugute kommt.
In "Perfect Blue" mischen sich schizophrene Traumsequenzen und Realität zu einem halluzinogenen Cocktail, der wunderbar durchdacht ist. Die wirklichkeitsgetreuen Charaktere, ein erwachsenes Design und menschliche Abgründe sorgen für die nötige Konsequenz. Für die Steigerung der Spannungskurve sorgt das sich stets steigernde Erzähltempo. Nur die surreale Unlogik zum Finale hin und die lieblos animierten Hintergründe lassen den Psychothriller nicht völligst aus einem Guss erscheinen.
8 / 10