Review

Fares, der Babyspeck

Die Franzosen scheinen einen guten Draht zu Netflix zu haben oder ihre Filme scheinen oft gestreamt zu werden, da der Nachschub an Produktionen aus unserem Nachbarland für den Streamingprimus kaum abzureißen scheint. Kein Problem für mich, da sie immer locker und gut konsumierbar sind. Wesentlich besser zumindest, als die typische deutsche RomCom, die aber ja seit spätestens diesem Jahr auch langsam austrocknet. Nicht vom Thema abkommen, zurück zum Film: "Die Welt gehört dir" ist eine augenzwinkernde Gangsterballade, die immer etwas schief liegt und wirkt wie der etwas zu dicke Großenkel von "Scarface", dem keiner etwas zutraut. Spaßig, anders, süss. Ohne echte Konsequenzen und sicher kein Gamechanger, aber eine gute Zeit. Zumindest wenn man auf dunkle Komödien steht, die sich in keine Genreschublade einsperren lassen.

Es geht um einen französischen Kleinkriminellen, der sich nie von seiner übermächtigen Bossbitch-Mami abnabeln konnte und der eigentlich nur seinen eigenen Eisladen in Nordafrika eröffnen will. Ein letzter Auftrag in Spanien soll für die nötigen Moneten sorgen, doch der junge Mann kriegt selten etwas richtig auf die Reihe... Vom etwas speckigen, nicht wirklich attraktiven Protagonisten über einen drolligen Vincent Cassel auf den Spuren der Illuminati oder einer völlig überdrehenden, aber immer noch bezaubernden Isabelle Adjani - "The World Is Yours" ist ein ganzes Stück normaler und sympathischer als andere Hochglanz-Crime-Abenteuer. Was super ungewöhnlich und vorbildlich ist. Dabei ist die Produktion durchaus hochwertig und hübsch, fast auf Hollywood-Niveau. Der Rest ist allerdings einfach bodenständiger und nachvollziehbarer als ein "Ocean's Eight" oder "Ant-Man". Weniger überdreht, weniger verlogen, weniger Show, weniger angeberisch. Am besten einfach blind drauf einlassen und überraschen lassen. Dann kann das was werden. Gutes Tempo, ein paar herzliche Momente und eine unberechenbare Geschichte erledigen den Rest.

Fazit: kurzweiliger Genremix, durch dessen Gangsterspielereien meist die Sonne scheint. Eigen und genau das, was man sich als Filmfan wünscht: Kreativität und Originalität mit kleinen Spitzen Richtung seiner Vorbilder. Scheisst auf Schubladen. Urlaub vom Sequelwahn und Remakestrudel. 

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