kurz angerissen*
Die Regieführenden Simard und Whissell(s) haben inzwischen offenbar gelernt, ihre Nostalgie zu kanalisieren. Die chaotische, bisweilen auch ziellose Artikulation ihrer retrofuturistischen Dystopie "Turbo Kid" scheint zumindest auf formeller Ebene der Vergangenheit anzugehören. Das Trio zieht neuerdings klarere Linien und fokussiert sich auf wenige, dafür aber um so dominantere Stilmittel.
Ihr "Summer Of '84" markiert sozusagen den Sprung aus der Dimension des Comicheftes zurück in die Erinnerung an die echte Kindheit. Wie sich jedoch schnell herausstellt, geht mit diesem Perspektivwechsel nicht der Anspruch einher, ein authentisches Abbild der 80er Jahre zu präsentieren. Der irreale Synth-Score befeuert zwar Assoziationen zu dieser Epoche, steht jedoch keineswegs stellvertretend für das, was tatsächlich in den 80ern im Radio, in Filmen oder von Musikkassetten gespielt wurde. Auch das Drehbuch entfaltet sich fast schon aufreizend geradlinig und schmucklos. Man wird eingelullt mit 30 Jahre alten Klischees, die zu dreidimensionalen Gimmicks aufgebauscht werden - Milchtüten, Fahrräder mit Spielkarten an den Felgen und Telefone mit endlos langen Schnüren. Cape May präsentiert sich nicht als Zeitdokument wie eine Fotografie, sondern wie eine über Jahre gereifte Erinnerung, die alles Unwichtige entfernt hat, um das Übriggebliebene einem leuchtenden Anstrich zu unterziehen.
So reizvoll dieser Ansatz ist, er verliert spätestens zur Filmmitte seinen Fokus. Irgendwo zwischen der detailvoll gezeichneten Coming-Of-Age-Phantasie und dem postmodernen Blickwinkel geht der eigentliche Kern verloren. Suspense leitet sich aus Verdachtsmomenten und falschen Fährten ab, doch diese gezielt zu nutzen, weigert sich die Regie, weil sie sich alle Möglichkeiten offen halten will, entweder einen spektakulären Kriminalfall daraus zu basteln oder eben ein satirisches Spiel aus falschen Abzweigungen und Ablenkungsmanövern. Zwei sich gegenseitig ausschließende Strategien, die nicht gemeinsam in das stromlinienförmige Handlungsgerüst passen.
Das Ende schlägt vielleicht auch deswegen so hart in die Magengrube, weil man derartige Konsequenz von diesem Film nicht mehr erwartet hat. Ob man das nun als einen abschließenden Pluspunkt betrachten möchte oder als Symptom weiterführender Probleme, ist Auslegungssache.
*weitere Informationen: siehe Profil