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Im durchschnittlichen amerikanischen Camp ist eigentlich kein Überleben seit den Siebzigern mehr möglich, denn entweder lauern bereits maskierte Gestalten im Unterholz oder Riesenwesen mit tödlichen Klauen jagen die Camper durch die Gegend. Das Debüt von John Woodruff will sich diesbezüglich nicht festlegen und so verkommt das ohnehin schon dünne Drehbuch im Verlauf immer mehr zur Farce.

Der einst erfolgreiche Autor Robert verfasste vor Jahren einen Krimi über zwei ermordete Mädchen im Merrymaker Camp, welches seit den bis heute ungeklärten Todesfällen geschlossen blieb. Zur Neueröffnung wird er eigens von den beiden Besitzerinnen, den Ranger-Schwestern Anita und Poppy eingeladen. Dort angekommen, kann sich ein Nerd mit letzter Kraft zur Station retten, nur knapp habe er einen Angriff von Bigfoot überlebt…

Binnen kurzer Zeit sind die wesentlichen Figuren etabliert, von denen definitiv niemand als Sympathieträger taugt. Der Autor scheint trotz hochschwangerer Frau keiner Affäre abgeneigt, während die Ranger von vornherein ein undurchsichtiges Spiel treiben und etwas zu verbergen scheinen. Weitere Figuren wie ein schmieriger Stiefvater fallen nicht weiter ins Gewicht, die Konstellation bleibt überschaubar.

Stellt sich anfangs noch die Frage, es mit einem Slasher oder Monsterhorror zu tun zu haben, wird dies mit schwach inszenierten Abgängen, wenig Blutvergießen und noch weniger Spezialeffekten auf eine undankbare Art und Weise beantwortet: Beide Themen spielen im Endeffekt keine entscheidende Rolle, während Elemente eines Beziehungsdramas in den Vordergrund gerückt werden und im Verlauf ein düsteres Familiengeheimnis in den Fokus gerät, zu dem es immerhin noch kurze erklärende Rückblenden gibt.

Mit Action, Verfolgungsjagden oder gar deftigen Konfrontationen hat die Chose demnach nicht viel am Hut. Die austauschbare Wald – und Wiesenkulisse hilft auf atmosphärischer Ebene rein gar nicht und auch musikalisch bleibt nichts hängen. Die Darsteller reißen ebenfalls nichts heraus, gleiches gilt für die merkwürdige Übersetzung: „Ich wünsche ihnen eine gute Nacht!“ - „Das werde ich“.

Am Ende wollte man mit dem mehrdeutigen Titel „Animal among us“ etwas Tiefsinniges schaffen, doch der Effekt verpufft nahezu vollends, genauso wie die vermeintlichen kleinen Twists, die fünf Meilen gegen den Wind erahnbar sind.
Wenn irgendwann ein abber Unterarm herumliegt, ist das beinahe schon ein Schauwert innerhalb müder Ideen, die während der 89 Minuten weitgehend spannungsfrei heruntergekurbelt werden.
3 von 10

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