kurz angerissen*
Denzel Washington ist... Der Sequalizer! Und macht in der Fortsetzung alles so anders und doch so gleich. Vom Job im Baumarkt ans Steuer eines Taxis, von der minderjährigen Prostituierten zum Problemkind aus dem Ghetto. McCalls Umfeld hat sich vielleicht verändert, aber an der eigentlichen Formel wird nicht herumgepfuscht. Es soll ja heißblütige Fans des ersten Teils geben, denen offensichtlich von Natur aus etwas Genügsames zu eigen sein muss. Es ist somit nicht schwer auszurechnen, dass diese auch am Malen nach Zahlen der Fortsetzung himmlische Freude empfinden werden.
Dass die ganze Masche um Verschwörungen auf höchster Geheimdienstebene einen langen, grauen Bart trägt, macht Denzel Washington in der Eröffnungssequenz sogar durch eine muslimische Verkleidung bildhaft. Den Pfad der Gerechten geht er trotzdem konsequent weiter und das werden seine Anhänger wohl auch zum Anlass nehmen, jeden Knochenbruch zu feiern, den er seinen Gegnern hinzufügt, ohne dass er dabei selbst jemals in echte Gefahr geriete. Eine Formel, so perfekt, dass man es nicht wagen würde, sie noch einmal zu verändern.
Das Problem liegt auch gar nicht bei Washington oder dessen Darstellung, die von ungebrochener Souveränität zeugt. Es liegt am Plot, den man seiner Hauptfigur an den Schuh klebt. Das Aufspüren der Strippenzieher von inszenierten (Selbst-) Morden folgt akribisch dem kleinen ABC für Verschwörungsthriller. Die Linearität der Ereignisse fällt um so mehr auf, da man stets die nächste Wendung erkennt, bevor das Drehbuch sie dann auch erwartungsgemäß präsentiert. Noch dazu zündet nicht einmal die Nebenhandlung um einen schwarzen Jugendlichen, der in den Strudel der Bandenkriminalität gerät. Solche Portraits überlässt man doch lieber Professionellen wie den Machern von "The Wire"; ein mit Literatur wedelnder McCall, der seinem Schützling den Wert ehrlicher Arbeit zu vermitteln versucht, verursacht jedenfalls Klischees so groß wie Fallgruben.
Immerhin die Action weiß Fuqua noch mit sicherer Hand zu inszenieren. Eine Taxifahrt mit einem unbequemen Passagier sticht hier heraus, vor allem aber mündet die Haupthandlung in ein adrenalinsteigerndes Fernduell mit Western-Anleihen. So eine verlassene Kleinstadt im Sturm gibt eine hervorragende Kulisse ab für eine Handvoll bis an die Zähne bewaffneter Söldner, die von McCall im Rambo-Stil nacheinander außer Gefecht gesetzt werden, bis nur noch der Kopf übrig ist. Hier bündelt "The Equalizer 2" seine verbliebenen Schauwerte, die wesentlich wirkungsvoller wären, läge ihnen ein besseres Skript mit tieferer Charakterzeichnung zugrunde.
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