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Bei "Driver" handelt es sich um einen hochexpressiven, rauhen, leicht kryptischen und zum Minimalismus tendierenden Film von Walter Hill. Die Hauptrolle verkörpert Ryan O'Neal. Er spielt einen wortkargen und undurchschaubaren Fahrer, der sich auf das Fahren von Fluchtautos bei Überfällen spezialisiert hat. Bruce Dern spielt seinen Kontrahenten, einen zur Besessenheit neigenden Polizisten, der sich zum Ziel gesetzt hat, den "Driver" dingfest zu machen. Beide haben durch die Kompromisslosigkeit, mit der sie ihre Arbeit machen, ständig Probleme mit ihren Kollegen. Als sich die recht ebenbürtigen Gegner gegenüberstehen, wird die Festnahme durch eine mysteriöse junge Frau (Isabelle Adjani) zunichte gemacht. Diese Dreierkonstellation stellt das Grundgerüst des Films dar. Bei allen drei Darstellern fällt eine außergewöhnliche Mimik auf, die von Hill mit außergewöhnlichen Lichtstimmungen genial in Szene gesetzt wird. Oft erscheint ein Gesicht zur Hälfte oder zu einem Drittel beschattet, wodurch die Züge hervortreten wie in einem Holzschnitt. Diese Optik verweist stark auf den deutschen expressionistischen Film des frühen 20. Jahrhunderts. Während Ryan O'Neal, ganz ähnlich wie in seiner Glanzrolle als "Barry Lyndon", durch ein extrem statisches "Pokerface" auffällt, ist der vom Ehrgeiz angefressene Polizist Bruce Derns durch ein ausgemergeltes, angespanntes und oft grotesk verzerrtes Gesicht gekennzeichnet. Isabelle Adjani, mit ihrer auffälligen Blässe und ihren ausdrucksstarken Augen eins DER Gesichter des 70er-Jahre-Films ("Ein mörderischer Sommer", Herzogs "Nosferatu"), legt eine ähnliche Undurchsichtigkeit wie O'Neal an den Tag. Zu dieser Mysteriosität, die gewissermaßen Programm des Films ist, kommt die weitgehende Namenlosigkeit der Figuren, die mit den Rollenbezeichnungen im Abspann ("The Driver", "The Player"...) noch einmal verdeutlicht wird. Wie ein Teil der Identitäten bleiben auch die Motive der Figuren teilweise im Dunkeln. Das Spielerprinzip scheint auf alle drei Hauptfiguren ausgedehnt zu sein: Die Gefahr wird um ihrer selbst willen gesucht, nicht des Profits wegen.

Das Konfliktpotenzial der Handlung liegt nicht nur in der Jagd des Polizisten auf den Fahrer, sondern auch in den Spannungen zwischen dem Fahrer und den schmierigen Kleinganoven, mit denen er zusammenarbeitet und die die stoische Überlegenheit seiner Figur erst richtig hervortreten lassen. Da hier kaum jemand mit dem anderen klarkommt, kracht es immer wieder mal. Die ab und an vorkommenden Erschießungen sind nicht comichaft überzeichnet, sondern hart und realistisch, wobei die Härte oft in der Überraschung und der kalten Emotionslosigkeit liegt, mit der gehandelt wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind natürlich die teils episch ausgedehnten, in ihrer Wildheit brillant aufgenommen Verfolgungsjagden, wobei jede Menge Blech zerbeult wird. Das heißt, für Unterhaltung ist gesorgt, aber der Film hat viel mehr zu bieten, vor allem eine herausragende Optik und eine Atmosphäre unterkühlter Rätselhaftigkeit.
Sehr empfehlenswert!

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