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Und wieder ein Novum der MI-Filmreihe: Mit McQuarrie wird erstmals ein Regisseur ein zweites Mal auf dem Chefsessel Platz nehmen. Das ist ungewöhnlich, aber wenn man sich die Qualitäten des Vorgängers vergegenwärtigt, so ist es mindestens nachvollziehbar, dass man den gleichen Mann unbedingt halten wollte.

Wenn man dann noch miteinbezieht, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Art Fortsetzung des Vorfilms handelt, dann macht es natürlich noch mehr Sinn, den Stil beizubehalten.

Und wenn man dann noch sich in Erinnerung ruft, dass mit Ilsa Faust die wohl komplexeste Action-Dame im Kino seit gefühlt Jahrzehnten etabliert wurde, so macht es umso mehr Sinn, ihren Erfinder mit dem weiteren Werdegang des Charakters zu betrauen, damit diese Figur nicht verheizt wird.

Um es kurz zu machen: Die Entscheidung war richtig. ABER... dazu gleich mehr !

Der Film führt die Geschichte, die in MI4 angefangen wurde, unvermindert fort, erzählt es als zusammenhängendes langes Epos mit einem mittlerweile zermürbten und zerriebenen Tom Cruise, der irgendwie an einer Schwelle zu irgendwas dunklem zu stehen scheint. So ist Ethan Hunt in diesem Film auch nicht mehr der gelackte Held sondern wirkt immer eine Spur nachdenklicher, melancholischer und irgendwie auch skrupelbehafteter als üblich. Dennoch lebt der Film auch von der inneren Spannung, dass sein Charakter irgendwann zerbrechen könnte und auf die andere Seite wechseln könnte (auch wenn diese Spannung sehr sehr vage ist). Dazu passt auch, dass Cruise sichtlich in die Jahre zu kommen scheint (er wirkt natürlich immer noch locker 15 Jahre jünger als er tatsächlich ist, aber dass die Zeit auch vor ihm nicht halt macht ist ja klar) und sein 3-Tage-Bart eher wie ein Zeichen des Älterwerdens und ein bißchen der Verwahrlosung interpretiert werden kann als ein Coolnessgimmick. Hinzu kommt, dass sein Charakter mit einer Bürde belastet wird, welche schon dem Serienactionstar Jack Bauer nicht sonderlich gut stand: Ethan Hunt wird so zu einem ewig getriebenen Mann, dem jegliches Happy End verwehrt wird, degradiert, der das sein muss, damit die Welt ein sicherer Ort wird. Das ist zum einen eine zutiefst tragische Note für eine immer menschlicher werdende Figur, zum anderen aber auch die Krux von Serienhelden. Und im Gegensatz zu Jack Bauer, der dadurch immer mehr zu einem Monstrum wurde, wird Ethan Hunt dadurch nur noch menschlicher und einsamer, der seine lieben Kollegen immer stärker als Familienersatz wahrnimmt.

Bei all dieser Tiefe bleiben andere Nuancen ein bißchen hinten dran, Ilsa Faust - die Entdeckung des Vorfilms - steckt zwar immer noch jede andere Action-Dame in ihre Tasche, ist aber deutlich reduzierter als bisher. Und es fehlen hier und da auch die ikonischen Szenen, die sie super in Szene setzen, und fast geht der Film den Fehler ein, mehr als nur eine knisternde Andeutung zwischen Hunt und Faust einzubauen. Dies wird aber gerade so noch umgangen. Dennoch, der Charakter wird hier fast verheizt, McQuarrie kriegt aber irgendwie gerade noch so die Kurve.

Cavills Charakter ist leider fast eine Enttäuschung, denn er ist zwar ein interessanter Entwurf, aber wird leider nicht zu Ende gedacht. Hinzu kommt, dass Cavill ein recht steifer Darsteller ist, der im Prinzip nur durch seine physische Präsenz punktet.

Der Film selbst ist sehr lang geraten, super spannend, mit einem Höhepunkt den anderen jagend und einem Showodown, der dann schließlich tatsächlich mehr Rambo als MI ist.

Im Grunde genommen ist MI6 tatsächlich ein Film der deutlich mehr Schwächen als der Vorgängerfilm hat, den Helden aber erdet und menschlicher macht, und ein atemberaubendes Tempo an den Tag legt. Dennoch ist er einer der besten zwei Blockbuster des Kinojahres 2018. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die angefangene durchlaufende Handlung im nächsten Teil fortgeführt wird. Gerne auch wieder mit McQuarrie und seiner Version der Ilsa Faust.

8 Punkte

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