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Ein lange Zeit sehr erfolgreicher Trend im südkoreanischen Kino war die Gangsterkomödie mit melodramatischem Einschlag und Konfrontation der "Bösen" mit den unschuldigen Zivilisten. Man bringe einfach einen völlig unschuldigen Zivilisten in eine scheinbar haarsträubende Situation die ihn mit Ganoven konfrontiert und werfe alle Beteiligten zusammen ins kalte Wasser. Die Gangster werden meist naiv und wenig gefährlich dargestellt und der Zivilist wächst natürlich über sich hinaus ; daneben wird das Für und Wieder zwischen Gut und Böse melodramatisch abgeklopft und der Film bekommt dadurch ein wenig sozialen Tiefgang.
Wird sowas mit guten Darstellern und einer passenden und schmissigen Story handwerklich solide produziert, war in Südkorea der Kassenerfolg zwischen 2001 bis 2006 fast schon garantiert. Es dauerte erstaunlich lang bis dieses Dauerthema sich totgelaufen hatte und die "Marrying the Mafia Trilogie" ist neben der "My Wife is a Gangster Trilogie" das Erfolgreichste was hervorgebracht wurde.

Der erste Teil "Marrying the Mafia" war 2002 der erfolgreichste südkoreanische Film in den Kinos und erreichte über 5 Millionen Zuschauer ; für 2002 eine beachtliche Zahl. Die Darsteller waren allesamt erfahren und der Film wenig schlüpfrig in seiner Komik. Mit 115 Minuten Lauflänge deutete sich 2002 aber schon eine Tendenz zur Überlänge an die leider bis heute anhält.
Der IT-Spezialist Park Dae-seo ( gespielt von Jeong Joon-ho ) wacht eines morgens in seiner Wohnung neben einer ihm unbekannten Frau auf. Die ebenfalls völlig überraschte Jang Jin-kyeong ( gespielt von Kim Jeong-eun ) ist ausser sich und beide haben keine Ahnung was in der Nacht passierte und wie sie zusammen im Bett landen konnten. Hatten sie überhaupt Sex zusammen und wie haben sie sich getroffen?
Sie trennen sich und würden wohl beide diese Nacht am liebsten vergessen, doch so einfach scheint dies nicht zu gehen. Jang Jin-kyeong hat nämlich drei Brüder und die sind überhaupt nicht humorvoll wenn jemand mit ihrer Schwester in den Nahkampf übergeht. Somit besuchen die drei Brüder In-tae ( gespielt von Yoo Dong-geun ) , Seok-tae ( gespielt von Seong Ji-roo ) und Kyeong-tae ( gespielt von Park Sang-wuk ) den ahnungslosen Dae-seo und fordern ihn auf, die Familienehre wiederherzustellen und ihre Schwester Jin-kyeong zu heiraten.
Die beiden drehen und winden sich und obwohl Jin-kyeong sogar ihre Jungfräulichkeit beweisen kann, scheint es bereits besiegelt. Das Familienoberhaupt und gleichzeitiger Begründer des Familienclans Jang Jeong-jong "Triple J" ist wild entschlossen, den gebildeten und seriösen Dae-seo durch die Heirat mit seiner Tochter in die Familie zu holen und diese dadurch aufzuwerten. Dae-seo hat nämlich die Nacht mit der Tochter des Oberhauptes eines Gangstersyndicats verbracht und gerät nun in Kreise, die ihm vor kurzer Zeit noch völlig unbekannt waren.

Da ist die typische Konstellation ; ahnungsloser Zivilist trifft auf scheinbar übermächtige Gangster, die Situation ausweglos aber die Ganoven wenig intelligent. Im Laufe des Films dann die Drehung zur Melodramatik, wenn für die hilflose Gangstertochter Mitleid erzeugt werden soll und das so typische "Gangster sind doch auch nur Menschen-Gefühl" erzeugt wird ; freilich noch durch die Blödheit der Ganoven unterstützt.
Eine tiefgehende Ernsthaftigkeit kann wirklich niemand einem solchen Stoff entgegenbringen, somit schraube man den Anspruch deutlich herunter und wer mit plattem Entertainment und einigen netten Lachern auskommt wird hier leicht überdurchschnittlich bedient. Dies liegt vor allem an der 2002 noch unverbrauchten Story, den sympatischen und harmlosen Darstellern und dem brauchbaren Niveau der Komik.
Die Überlänge im südkoreanischen Kino nervt mich mittlerweile schon ein wenig und so werden es für den erfolgreichsten Film des Jahres 2002 bei mir nicht mehr als 6 Punkte. Massentaugliche Mainstreamware in unauffälliger und schnell wieder vergessenen Verpackung, leicht verdauliches Popcornkino für die ganze Familie gibt es also auch in Südkorea.
 

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