SAVING MY HUBBY von Hyeon Nam-seob
Südkorea 2002
Saving My Hubby ist eine jenseits des asiatischen Raums nahezu völlig unbekannte Komödie des koreanischen Regiedebütanten Hyeon Nam-seob. Kurz nach seinem Erscheinen hat sich der Film hierzulande ins Programm einiger kleiner Festivals verirrt und fiel anschließend schnell und vermutlich für immer in Vergessenheit. Auch in Korea selbst stieß er nur auf mäßiges Interesse und verlor sich bald in einer wahren Flut von erfolgreichen Komödien, welche in dieser Zeit nach My Sassy Girl die dortige Kinolandschaft maßgeblich prägten. Dennoch wäre es falsch, den Film allein deshalb gering zu schätzen. Freunden des koreanischen Kinos sollte er allemal einen Blick wert sein.
Geum-soon ist eine erfolgreiche und populäre Volleyballspielerin, die ihre sportliche Laufbahn jedoch verletzungsbedingt und aufgrund einer Schwangerschaft zumindest vorläufig aufgeben musste. Nun widmet sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Joon-tae dem Haushalt und der Betreuung ihrer Tochter Song-yee, einem auffallend pummeligen Baby, welches Außenstehende zum großen Verdruss der jungen Eheleute immer wieder für einen Jungen halten. Bei der Erfüllung ihrer familiären und häuslichen Pflichten machen Geum-soon und Joon-tae einen ziemlich unbeholfenen Eindruck.
Am Tag, an dem Joon-tae seine neue Arbeitsstelle antritt, überschlagen sich schließlich die Ereignisse. Zuerst verschlafen die beiden, da sie über weite Strecken der Nacht von ihrer Tochter wach gehalten wurden, und dann kündigen auch noch die etwas schwierigen Eltern Joon-taes ihren Besuch an. Nunmehr muss Geum-soon allein die Vorbereitungen für einen würdigen Empfang treffen und dabei eine Reihe von Tätigkeiten bewältigen, die ihr offensichtlich nur bedingt liegen: Einkaufen, Aufräumen, Kochen ... Aber es kommt noch viel schlimmer. Nach dem Feierabend wird Joon-tae von seinen Kollegen genötigt, sie auf ihrer Tour durch die Kneipen und Bars des örtlichen Vergnügungsviertels zu begleiten. Schon bald zeigt sich, dass er den dabei konsumierten Alkoholmengen nicht gewachsen ist. Nach einigen Runden eines exzessiven Wettsaufens gegen seinen Chef ist ein koordinierter Rückzug unmöglich geworden und er legt sich im grenzkomatösen Zustand kurzerhand auf dem Gehweg zur Ruhe. Dort wird er von einem Kleinkriminellen aufgesammelt und in eine Bar geschleppt, wo man ihn (wie es dort in solchen Fällen üblich zu sein scheint) an einen Tisch mit zahllosen leeren Flaschen und schmutzigen Tellern setzt und nach seinem Erwachen eine horrende Zeche für die angeblich genossenen Speisen und Getränke fordert. Da er so viel Geld nicht bei sich hat, ruft man bei ihm zu Hause an und teilt der entsetzten Geum-soon mit, dass sie ihren Mann erst wiedersieht, wenn sie sich in der besagten Bar einfindet und die Rechnung von 1,7 Millionen Won (das waren damals etwas mehr als 1400 Euro) begleicht.
Das ist der Auftakt zu einer Reihe von aufregenden Ereignissen. Die junge Mutter zögert keinen Augenblick und stürzt sich mit ihrem Baby auf dem Rücken ins nächtliche Geschehen, um die Angelegenheit zu klären und ihren Gatten aus den Fängen der Gauner zu befreien. Da sie sich dabei auf unbekanntem Terrain bewegt, wird schon das Auffinden der gesuchten Bar zu einer enormen Herausforderung. Bis zum Morgengrauen dauert Geum-soons Odyssee durch die Straßen und Gassen des Kneipenviertels, und während dieser Zeit erlebt sie Abenteuer, die sie mehr als einmal an ihre körperlichen und seelischen Grenzen stoßen lassen ...
Saving My Hubby ist ein vollkommen auf seine Protagonistin zugeschnittener Film. Alle anderen Personen sind nur in der Interaktion mit ihr relevant und verlieren ansonsten in den meisten Fällen jede Bedeutung. Selbst die Rolle Joon-taes trägt einen ausgesprochen passiven Charakter. Damit steht und fällt der Film mit seiner Hauptdarstellerin. Mit Bae Doo-na, welche zu diesem Zeitpunkt in Filmen wie Barking Dogs Never Bite, Take Care of My Cat oder Sympathy for Mr. Vengeance bereits nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde eine vorzügliche Wahl getroffen. Mit ihrer Ausstrahlung und ihren schauspielerischen Fähigkeiten ist sie mühelos in der Lage, die Handlung zu tragen und das Interesse des Zuschauers an den dargestellten Ereignissen dauerhaft aufrechtzuerhalten. Sie verkörpert die ehemalige Leistungssportlerin Geum-soon mit bemerkenswerter Energie, kann sich aber auch deutlich zurücknehmen, wenn es erforderlich ist, was gerade den eher nachdenklichen Szenen ein spürbares Gewicht verleiht.
An dieser Stelle sei etwas Grundsätzliches erwähnt: Wer noch keinen Kontakt zu ostasiatischem Schauspiel hatte, dürfte von der exaltierten und manchmal reichlich überzogen wirkenden Art, wie hier Stimmungen und Gefühle ausgedrückt werden, ein wenig verunsichert oder gar schockiert sein. Ein solcher Eindruck kann durch die oftmals sehr hektisch und trotzdem (vor allem an den Satzenden) irgendwie „geleiert" klingende koreanische Sprache noch verstärkt werden. Hier muss man sich stets vor Augen halten, dass das asiatische Kino Rezeptionsgewohnheiten bedient, die sich im Verlauf einer langen kulturgeschichtlichen Entwicklung eben genau in dieser Form herausgebildet haben - zumindest, wenn es sich am heimischen Markt orientiert. Diese Erkenntnis wird dem „ungeübten" europäischen Zuschauer allerdings nicht immer dabei helfen, Filme wie Saving My Hubby ohne Einschränkung zu genießen. Hier fällt ganz besonders Kim Tae-woo auf, dessen Darstellung der Befindlichkeiten Joon-taes an einigen Stellen Formen annimmt, die selbst für asiatische Verhältnisse bedenklich sind. Wenn sich jemand bei Missgeschicken mittleren Ausmaßes längere Zeit mit Schreikrämpfen auf dem Boden wälzt, dann ist das schon sehr irritierend.
Einen wesentlich gelasseneren Eindruck macht übrigens das Baby, welches sich auch in turbulenten Situationen nur selten aus der Ruhe bringen lässt.
Saving My Hubby erfüllt seine Funktion als Komödie recht ordentlich. Dabei liefert der Film kaum Gags, die den Zuschauer aus dem Sessel fegen, sondern verharrt zumeist in einem Zustand moderater Heiterkeit. Hervorzuheben ist dabei, dass an keiner Stelle unter die Gürtellinie gezielt wird - mit Fäkalhumor und pubertärem Sexklamauk wird man erfreulicherweise nicht einmal im Ansatz belästigt. Hin und wieder schleichen sich ein paar Albernheiten ein, welche den Gesamteindruck jedoch nicht ins Wanken bringen. Wenn man dem Film ernsthaft etwas vorwerfen kann, dann ist das der Umstand, dass sich einige Handlungselemente zu oft wiederholen und er in solchen Momenten den etwas faden Beigeschmack eines Mangels an Ideen bekommt. Ein wirkliches Problem ist das aber nicht, da man auch in den Szenen, in welchen die Handlung ein wenig auf der Stelle tritt, von der zauberhaften Bae Doo-na bei Laune gehalten wird. Insgesamt dürfte Saving My Hubby mit dem Begriff „amüsant" sehr treffend beschrieben sein.
Besonders in der zweiten Hälfte nimmt sich der Film ein wenig Zeit für die eine oder andere ruhige und besinnliche Szene. Das gehört zu den typischen Eigenheiten des koreanischen Kinos, in welchem selbst die abgedrehtesten Komödien und härtesten Actionstreifen nur selten ohne einen Hauch von Melancholie auskommen. Im Fall von Saving My Hubby gibt es einige sehr berührende Momente, die definitiv zu den großen Stärken des Films zählen. Regisseur Hyeon Nam-seob hat dabei ein sehr gutes Auge für die soziale Situation in seinem Land. Während ihrer nächtlichen Suche wird Geum-soon immer wieder mit den Schattenseiten des Lebens in der sonst so schillernd wirkenden Metropole Seoul konfrontiert. Sie begegnet Obdachlosen, gedemütigten Prostituierten, großen und kleinen Kriminellen und einer Reihe von Menschen, die sich die Nacht um die Ohren schlagen müssen, um an Verkaufsständen oder in schäbigen Imbissbuden gerade das Nötigste zu verdienen. Dabei erfährt sie immer wieder selbstlose Hilfe von denjenigen, die im sozialen Gefüge ganz unten rangieren. Der Film behandelt diese Menschen mit großer Sympathie und zeichnet ihre inneren Werte als harten Kontrast zur moralischen Verkommenheit solcher Personen wie beispielsweise Joon-taes Chef. Damit erweist er den Außenseitern der Gesellschaft eine nicht alltägliche Wertschätzung und erhält etwas überaus Warmherziges.
Hyeon Nam-seob ist übrigens bis zum heutigen Tag nicht wieder als Kinoregisseur in Erscheinung getreten. Es ist zu hoffen, dass das nicht maßgeblich mit dem hier besprochenen Film zusammenhängt, denn ein solcher Sachverhalt wäre mehr als ungerechtfertigt. Selbst in Korea dürfte es so manchen Filmemacher geben, dem man weit eher ans Herz legen sollte, über einen anderen Beruf nachzudenken.
Leider gibt es außerhalb des asiatischen Raums keine DVD-Veröffentlichung von Saving My Hubby. Es ist auch nicht im Entferntesten damit zu rechnen, dass sich das jemals ändert. Somit ist der interessierte Filmfreund gezwungen, entweder auf die koreanische oder die thailändische DVD-Fassung (beide RC3 NTSC) zurückzugreifen. Für die Korea-Disk von Enter One muss man ziemlich tief in die Tasche greifen, wird aber durch eine exzellente Qualität entschädigt. Hier liegt verständlicherweise lediglich die Originaltonspur vor, es gibt jedoch neben koreanischen auch sehr akkurate englische Untertitel. Das Bonusmaterial (fünf kurze Making-of-Dokumentationen von insgesamt knapp 45 Minuten Dauer und einige Trailer) kündet vorwiegend von ziemlich entspannten und fröhlichen Dreharbeiten. Es ist nicht untertitelt, was allerdings nur bei einigen kurzen Interviews merklich ins Gewicht fällt.
Die Thailand-DVD kann man um einiges günstiger erwerben. Sie verfügt zusätzlich über zwei thailändische Tonspuren und ebensolche Untertitel, als Bonus ist ein Making of erwähnenswert. Aussagen über ihre Qualität konnte ich einschlägigen Quellen bisher nicht entnehmen.
Fazit: Saving My Hubby ist ein heiterer und sympathischer Film, der mit hinreichendem Tempo, viel Herz und einer wundervollen Hauptdarstellerin fast durchgehend gut unterhalten kann. Ohne jede Einschränkung kann er allerdings nur Filmfreunden empfohlen werden, die mit den Eigenheiten des asiatischen beziehungsweise koreanischen Kinos ein wenig vertraut sind. Potenzielle Interessenten dürften aber ohnehin fast ausschließlich aus diesem Personenkreis stammen. Für Fans von Bae Doo-na gibt es freilich auf dieser Welt keinen Weg, der an Saving My Hubby vorbeiführt.
7 von 10 Punkten.