Review

Manche Filme sind so entwaffnend blöd, daß man ihnen einfach nicht böse sein kann. Hell's Kitty fällt - für mich zumindest - in ebendiese Kategorie. Der Streifen beginnt mit Nick (Nicholas Tana), der - umgeben von toten, blutverschmierten Mädels - in einem Kleinbus sitzt und zerknirscht in die Kamera guckt. "I know what this looks like. But it's not my fault!", meint er entschuldigend. "My cat... Angel...", setzt er an und... Schnitt auf den armen Tölpel, der in einem Büro sitzt und einem Verleger seine aberwitzige Geschichte erzählt. In Rückblenden entfalten sich schließlich die grotesken Ereignisse, die zum Massaker im Bus geführt haben. Und wie sich herausstellt, hält sich Nicks Schuld an all den Verletzungen und Todesfällen in seinem näheren Umfeld tatsächlich in Grenzen. Man kann den unglücklichen Drehbuchautoren vielleicht der Fahrlässigkeit und der unbeabsichtigten Mittäterschaft beschuldigen, schließlich bleibt ihm nicht verborgen, was da passiert... Aber der heimtückische Killer ist Angel, seine Katze.

Angel ist eigentlich ein süßer kleiner Stubentiger, der so harmlos aussieht, als könne er keiner Fliege was zuleide tun. Dummerweise ist das Vieh besessen, und zwar vom Geist einer rachsüchtigen Ex-Freundin! Somit ist es auch nur allzu verständlich, dass es vor allem Nicks neue Liebschaften sind, denen es an den Kragen geht. Hell's Kitty ist eine schräge Horrorkomödie, bei der die Darsteller selbst im Angesicht der abstrusesten Situationen kaum eine Miene verziehen und ihr Spiel ernst durchziehen. Das gipfelt dann in die Szene, in welcher der verzweifelte Nick sogar Exorzisten zu Rate zieht, um sie mit der ungewöhnlichen Situation wie folgt zu konfrontieren: "I believe my pussy is possessed. Have you ever performed an exorcism... on a cat?" Die Exorzisten nehmen sich der Sache prompt an, müssen aber feststellen, daß gegen diese Höllenkatze kein Kraut gewachsen ist. Da Nick die ungute Sache schwer auf der Seele lastet, wird er auch noch von bluttriefenden Alpträumen geplagt, in denen ihn die Opfer heimsuchen.

Die Flashback-Struktur des Streifens ist arg episodenhaft, was nicht verwundern sollte, basiert Hell's Kitty doch auf einer Webserie gleichen Namens, die von 2011 bis 2015 überwiegend an Wochenenden entstanden ist. Regisseur und Drehbuchautor Nicholas Tana hat das mehrstündige Material der Serie für den Film wiederverwertet, überarbeitet, gekürzt und umgeschnitten, bis am Ende, ergänzt um ein paar neugedrehte Szenen, dieser Spielfilm herauskam. Und was kann man groß sagen? Hell's Kitty macht einfach Spaß. Das minibudgetierte B-Movie hangelt sich rasant von einer coolen Szene zur nächsten, sodaß für achtundneunzig Minuten Kurzweil gesorgt ist. Beinahe immer ist was los, ein bescheuertes Set-Piece jagt das nächste, wobei der Ablauf im Prinzip immer derselbe ist. Eine Person tritt in Nicks Leben und trifft unweigerlich auf Angel, was fatale Konsequenzen nach sich zieht. Die Katze "spielt" gar nicht mal so übel, und auch Tana als Nick kommt recht sympathisch rüber, weshalb man mit dem armen Tropf zumindest ein klein wenig mitleidet.

Die Würze des launigen Streifens sind aber weder die paar netten, handgemachten Gore-Effekte, noch die skurrilen Ideen oder die Handvoll gelungener Gags. Nein, die Würze sind die zahlreichen Anspielungen auf beliebte Filmklassiker (sogar die Duschszene aus Psycho wird persifliert), die vielen In-Jokes (man achte auf die Namen der Figuren) sowie die Gaststars, die sich förmlich die Klinke in die Hand geben. Zu sehen sind, unter anderem: Courtney Gains und John Franklin (Children of the Corn), Lynn Lowry (Shivers), Lee Meriwether (Batman: The Movie), Kelli Maroney (Night of the Comet), Doug Jones (The Shape of Water), Nina Hartley (Anal Annie and the Backdoor Housewives), Adrienne Barbeau (Escape from New York) und Michael Berryman (The Hills Have Eyes). Für alle hat sich Tana etwas Hübsches einfallen lassen. Und zum Drüberstreuen schaut auch noch einer der Stars aus Killer Klowns from Outer Space vorbei, was die Hoffnung auf eine Rückkehr der Kultclowns wieder aufleben läßt.

Hell's Kitty ist Quatsch, keine Frage. Aber es ist amüsanter Quatsch mit einer gehörigen Portion Camp obendrauf. Und zumindest die Grundidee ist ja gar nicht so weit hergeholt. Der Film basiert auf Tanas eigenen Erlebnissen mit seiner Katze, die seinen Freunden nicht gerade wohlgesonnen war und ein recht eifersüchtiges Verhalten an den Tag legte. Diese (meist) harmlose Ausgangssituation hat er in weiterer Folge dermaßen auf die sprichwörtliche Spitze getrieben, daß der Wahnwitz immer mal wieder schelmisch hervorlugt und kaum ein Auge trocken bleibt. Wie eingangs bereits erwähnt: Das ist alles so entwaffnend blöd (und sympathisch noch dazu), daß man dem Gezeigten unmöglich böse sein kann. Das macht Hell's Kitty zwar nicht zu einem guten Film, jedoch - in Verbindung mit den In-Jokes und Gaststars - zumindest zu einem sehr vergnüglichen.

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