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Die Erwartungen an "Star Wars - Episode 1" waren enorm. Weltweit rannten tausende fanatische Anhänger die Kinos ein, um dem ersten Part der Vorgeschichte der betagten Kult-Triologie beiwohnen zu können - und für viele muss es der gern zitierte, schmerzhafte Schlag in die Magengrube gewesen sein. Was George Lucas mit der "dunklen Bedrohung" des kleinen Planeten Naboo durch die zwielichte Handelsföderation abliefert, ist passagenweise schlicht mit dem Prädikat "peinlich" zu bezeichnen. Dies gilt primär für die erste Filmhälfte, in welcher man mitunter den Eindruck bekommt einem schlechten Witz für 10-jährige Pimpfe beizuwohnen. Schuld ist fast ausschließlich der CGI-Hass-Charakter Jar Jar Binks, der in nahezu jeder Szene irgendeinen Unsinn von sich gibt oder Chaos anrichtet. Dies zu allem Überflüss derart inflationär und penetrant kindisch eingesetzt, daß man dem Viech am liebsten eigenhändig den Hals umdrehen würde. Daß dessen Rasse zudem ziemlich scheisse im Sinne von Kindermärchen aussieht und Lucas es auch mit dem Farbtopf ziemlich übertrieben hat, stört da fast nur noch beiläufig.

Sind die ersten Aggressionen überwunden, ist der Film hoffentlich in seiner Handlung bis zum hitzigen POD-Rennen gediehen. Zusammen mit der begleitenden Einführung des jungen Anakin Skywalker entwickelt "Episode 1" nun endlich erste Ansätze der so geliebten, klassischen Star Wars-Atmosphäre. Das Rennen selber überzeugt durch coole Highspeed-Action und sehenswerte (Crash)-Effekte. Ist der Planet aber erstmal verlassen, baut "Episode 1" leider auch schon wieder spürbar ab. Sicher, mit Effekten und Action wird im Folgenden nicht gegeizt, leider fehlt dem Ganzen das einzigartige Flaire der alten Filme. Fetzige Weltraum-Action gibt es verhältnismäßig wenig und die ausufernde Bodenschlacht im Stil der Massenheere beispielsweise eines "Braveheart" wird - wie könnte es anders sein - durch die peinlich-trottelige Missgeburt des Jar Jar Binks zerstört. Recht nett widerum ist das laserschwertbehaftete Doppel-Jediduell mit dem fiesen Darth Maul gelungen, in dessen Verlauf gar einer der Helden das Zeitliche segnet. Wenigstens ein halbwegs versöhnlicher Abschluss einer ansonsten ziemlich schwachen Story, die vor lauter Effekten und konstruierten Lächerlichkeiten die wesentlichen Elemente eines wirklich erstklassigen Filmes weitgehend vergisst: Atmosphäre und eine packende Geschichte.

An den Darstellerleistungen werden sich die Geister scheiden: Mich persönlich überzeugte eigentlich nur der kleine Skywalker. Weder Liam Neeson noch Ewan McGregor erreichen die Klasse eines Mark Hamill, die blutjunge Natalie Portman wirkt mehr wie eine Märchenprinzessin als ernstzunehmende Königin und über die bereits angesprochenen CGI-Charaktere - besonders solche einer bestimmten Rasse - habe ich mich ja bereits gebügend ausgelassen.

Fazit: Wenig "Star Wars", dafür knallbunte Kindergartenaction und großteils lächerliche Kostüme und Masken. Wo sind die coolen Storm-Trooper? Wo sind die düsteren Imperiums-Offiziere oder auch die kultigen Wookies? Immerhin haben es R2D2 und C3PO, Meister Yoda und der dicke Jabba noch in den Streifen geschafft. Gemessen an den Erwartungen ist dieses millionenschwere Kommerzprodukt jedenfalls eine herbe Enttäuschung! Lucas setzt hier leider völlig falsche Aktzente und kann nicht an die alten Glanztaten anschliessen...

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