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Es ist sehr schwer sich in George Lucas hineinzufühlen. Er scheint eine sehr große Fantasie zu besitzen, und scheint auch zu wissen, wo man unbemerkt klauen kann, um eine neue Ära im amerikanischen Kino einzuläuten. Mit "Krieg der Sterne" revolutionierte er nicht nur die Tricktechnik Ende der 70er Jahre, sondern zeigte uns auch ganz uramerikanisches Entertainment-Kino at it's best.

Noch schwerer, sich in George Lucas hineinzufühlen, wird es allerdings, wenn man sich seine neue Episode aus dem "Star Wars"-Universum anschaut: "Die dunkle Bedrohung" scheint gar nichts von dem alten Zauber hinüberzuretten.

Endete 1983 mit "Rückkehr der Jedi-Ritter" die erste Trilogie um Luke Skywalker und seinem Vater, versicherte Lucas schon damals, er würde in "kürzester" Zeit die restlichen sechs Teile fertigstellen; verpflichtete sofort Mark Hamill (der Skywalker-Darsteller) für den vierten (bzw. siebten Teil) der Reihe. Doch der Vertrag lief aus, ohne das ein Wort über die Fortsetzung geredet wurde. Erst Anfang der 90er Jahre ließ Lucas verlauten, dass die neuen Teile zum 20 jährigen Jubiläum der Reihe (1997) in die Kinos kommen sollten. Auch daraus wurde nichts, und dann, 1999, konnten wir endlich "die dunkle Bedrohung" begutachten.

Doch nicht nur der Film war zu begutachten. 1999 schwappte eine "Star Wars"-Merchandise-Welle über die Welt hinüber. Fast jedes Produkt, das es sich leisten konnte, protzte mit Abbildungen der berühmtesten Charaktere und Logen. Man konnte sich dem riesigen Hype um "Die dunkle Bedrohung" leider nicht entziehen. Sogar der (zugegebenermaßen sehr gute) Trailer war eine Sensation für sich. Doch was man dann im Kino sah, war kaum mehr in Worte zu beschreiben...

Klar, die Spezialeffekte sind atemberaubend gut, und (natürlich) bei weitem besser als die altbackenen Effects aus der ursprünglichen Trilogie, aber Lucas beging grundlegene Fehler, was Story, Erzählweise und Inhalt betraf.

In den Vorgängerstreiben bestach immer der naive Charme der märchenhaften Schwarzweißmalerei. Die Guten waren wirklich die Guten, die Bösen wirklich die Bösen. Das drückte sich damals schon in Farbdramaturgie und Inszenierung ganz deutlich aus. Hier haben wir es mit einer wirren politischen Verschwörung zu tun, wo niemand so genau weiss, wer was zu sagen hat, und wer was vorhat.

Ein weiterer grober Fehler war, zu versuchen "Star Wars" zu erklären. Am verheerendsten sind die Vorgeschichten um C-3PO und R2-D2 und der biologische Humbuk um die Medi-Chlorianer. Nicht nur dass so etwas den Fan stört, durch solche Neuerungen, klaffen plötzlich immense Logiklöcher in den Filmen.

Und auch die Figuren waren nicht mehr so schillernd-einfach, so märchenhaft-simpel. Keine coolen Sprüche á la "Han Solo" waren zu hören, nur pseudo-philosophisches, esoterisches Gefasel von Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) durften in unsere Gehörgänge vordringen. Dieses Blabla, die albernen Kinderscherze verhaßter Animationsfiguren (das Jar Jar Binks der größte Mist aller Zeiten ist, muß ich ja nicht erwähnen...), und das Fehlen von Szenen, in denen die Schauspieler wirklich mal gefordert sind, machen "Phantom Menace" wohl zu einem seelenlosen, effektüberladenden Popcornkino, das sich als nichts anderes als eine reine Merchandise-Machinerie rausstellt.

Schade.

Aber es ist immer noch "Star Wars"...

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