Viele Mittel benötigt es ja nicht, einen einigermaßen tauglichen Slasher in die Welt zu setzen, der mit halbwegs sympathischen Figuren, kreativen Morden und einem markanten Killer bereits mehr als die Basis liefert. Doch der Mexikaner Diego Cohen beschreitet einen Weg, der fernab jeder Grundlage ist.
Einige Freunde wollen am Crystal Lake campieren und wähnen nachts am Lagerfeuer einen Schatten in ihrer Nähe. Kurz darauf verschwindet der erste spurlos…
Natürlich kann man derartigen Stoff von hinten aufrollen, indem man mit der Exposition die titelgebende Täterin beim psychologischen Gutachter einführt, der im nächsten Atemzug sämtliche Opfer beim Namen nennt. Spannendes Potential sieht allerdings anders aus, zumal die ersten fünf Minuten einen Streifzug über den Tatort implizieren.
Mit der Fahrt zum See wird es allerdings unerträglich, denn sämtliche Figuren reden durcheinander, beleidigen sich im Sekundentakt und zicken herum. Von einem möglichen Sympathieträger fehlt jede Spur, - da fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass sämtliche Mimen nahe am Laienniveau performen und die Synchro komplett unterirdisch ausfällt.
Komplett uninspiriert geht es schließlich weiter, als zwei Deppen die Titelgebende beim Nacktbaden beobachten und sich wie pubertäre Wichslinge gebären. Eine Vergewaltigung kommt schließlich nicht ganz unvermittelt, die sich allerdings nur für eine Minute in einem Zelt abspielt, welches zudem von 20 Metern Entfernung festgehalten wird. Danach folgt der obligatorische Rachefeldzug, welcher kaum unspektakulärer ausfallen könnte.
Das löchrige Drehbuch bringt kaum eine Konfrontation zu Ende, wechselt zwischendurch zu einem bereits überwältigten und fixierten Opfer, um kurz darauf Suchende einzublenden, die sich desinteressiert durch den Wald bewegen. Was dem Treiben die allerletzte Hoffnung raubt, ist das komplette Ausbleiben direkter Gewalteinlagen. Mal sind ein entmanntes Opfer oder eine Erschlagene zu sehen, doch selbst als im letzten Drittel ein schwerer Stein zum finalen Schlag angehoben wird, zeugen lediglich ein wenig Hirnmasse und ein Augapfel vom Ergebnis.
Wenn man sich nicht gerade über die ätzenden Figuren aufregt und dabei die Tatsache in Kauf nimmt, dass der Score einige Disharmonien aufweist, überwiegen bei dem stümperhaften Werk die einschläfernden Momente. Spannung, Atmosphäre und eine souveräne Kamera sind hier nicht vorzufinden, stattdessen kommt es zu unnötigen Zeitlupen, einen überstrapazierten Blaufilter und einen minimalen Twist, der die Chose auch nicht mehr auffängt. Nach 70 Minuten setzt bereits der Abspann ein, was einer Erlösung gleichkommt.
2 von 10