iHaveCNit: Der verlorene Sohn (2019)
22.02.2019
Nach dem dieses Jahr im Januar gestarteten „Ben is Back“ steht nun der nächste großartige Film mit Lucas Hedges in der Hauptrolle in den Startlöchern. Im von Joel Edgerton geschriebenen und inszenierten Film „Boy Erased“ geht es um eine Geschichte basierend auf echten Erfahrungen von Garrard Conley, der die perfiden Methoden der umstrittenen Reparativtherapie in einem Zeitungsartikel und später in einem Buch geschildert hat. Ergänzt wird das großartige Drama im Cast mit Russell Crowe, Nicole Kidman und Joel Edgerton.
Der junge Jared wird gegen seinen Willen auf dem College als homosexuell geoutet. In seiner Familie bricht vor allem für seinen Vater, einem Baptistenprediger die Welt damit zusammen. Jared wird daraufhin vor die Entscheidung gestellt, sich für seine Familie oder die Liebe zu entscheiden. Dafür wird er auch in ein Umerziehungscamp für Reparativtherapien gebracht, das vom Therapeuten Sykes geleitet wird.
Kaum zu glauben, dass es heutzutage noch weltweit noch so etwas wie Umerziehungscamps gibt, in denen „Patienten“ von ihrer homosexuellen Neigung „geheilt“ werden sollen. Umso härter, dass durch die eigentlichen Regelwerke solcher Therapiezentren davon selten etwas in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Umso interessanter ist es da, dass Garrard Conley darüber berichtet hat um darauf aufmerksam zu machen. Da sein Aufenthalt jedoch relativ kurz gewesen ist, können seine Erfahrungen nicht das vollständige Bild zeigen, was sich dort alles abspielt und mit welchen umfangreichen und perfiden Methoden dort gearbeitet wird. Aber so einen detaillierten und umfassenden Einblick braucht „Boy Erased“ nicht. Denn das, was uns „Boy Erased“ liefert reicht schon vollkommen aus. Wir bekommen eben nicht nur den reinen Blick von den Auswirkungen und den Einfluss auf Jared zu sehen, es wird auch stellenweise darauf eingegangen, was diese Tortur mit einigen der anderen „Patienten“ macht. Und hier als auch im starken Familiendrama schafft es Joel Edgerton, vollkommen unaufgeregt, ohne große und dramatische Effekthascherei, sehr ambivalent und vielschichtig seinen Film aufzuziehen, der gerade daraus die große Stärke entwickelt und sich da voll und ganz auf das großartige Spiel von Lucas Hedges, Nicole Kidman, Russell Crowe und sich selbst verlassen kann. Zusätzlich finde ich auch den Weg, den Film zu Teilen durch den Einsatz von gut platzierten Rückblenden nicht linear zu erzählen ebenfalls sehr gut gewählt. Ein tolles Plädoyer dafür, tolerant und respektvoll mit der Sexualität der eigenen Kinder umzugehen.
„Der verlorene Sohn“ - My First Look – 9/10 Punkte