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Es ist die erste mehrerer Verfilmungen über den Flugzeugabsturz in den Anden von 1972, welcher von Regisseur René Cardona realisiert wurde. Dieser ist eigentlich für eher trashige Werke bekannt, doch aufgrund der zugrunde liegenden wahren Begebenheiten hielt er sich ziemlich strikt an die Fakten.

Noch herrscht eine ausgelassene Stimmung beim Rugby-Team aus Uruguay, als der Flug von Montevideo nach Santiago de Chile startet. Doch ein Navigationsfehler lässt die Maschine auf einem verschneiten Berghang in den Anden zerschellen. Die Überlebenden der insgesamt 45 an Bord befindlichen Menschen ziehen sich in den Rumpf des Wracks zurück. Als Essensvorräte ausgehen, erwägt man sich von den Toten im Schnee zu ernähren…

Die Hollywoodversion von 1993 (Regie: Frank Marshall) ist natürlich weitaus populärer, doch seinerzeit verzichtete man weitgehend auf Gewaltdarstellungen, während hier die Figurenzeichnungen deutlich zu kurz kommen. Demnach ist es recht schwierig, Personen namentlich zuzuordnen, zumal sich diese aus nachvollziehbaren Gründen so gut wie möglich mit Kleidung einmummeln. Allzu ausdrucksstark performen die meisten Darsteller allerdings auch nicht, obgleich ein Hugo Stiglitz am Rande im Tower mitmischt.

Der Stoff fackelt nicht lange herum und bereits nach wenigen Minuten crasht das Flugzeug in rund 4000 Metern Höhe in den Schnee, was tricktechnisch nicht übermäßig aufwendig, jedoch einigermaßen glaubhaft in Szene gesetzt ist. Was folgt, sind nahe liegende Szenen innerhalb eines solchen Katastrophenszenarios, wobei eben wenig geredet wird, was ebenfalls nicht zu besseren Charakterbildungen führt, zumal kaum jemand dominanter als andere erscheint.

Obgleich weite Teile des Innendrehs ein zuweilen deutlich sichtbares Filmstudio offenbaren, packt die bisweilen klaustrophobisch anmutende Atmosphäre, wozu auch der insgesamt taugliche Score beiträgt, der lediglich zum Einstieg ein paar unpassend positive Klänge ins Spiel bringt.
Einige Außenaufnahmen überzeugen trotz künstlichen Schnees eher, besonders gegen Ende, als die Umgebung des Absturzortes kurzfristig verlassen und die Weite des Gebirges sichtbar wird.

Da der Fall insbesondere durch das Thema Kannibalismus in den Schlagzeilen landete, hält sich Cardona bei den wenigen Gewalteinlagen nicht zurück, was trotz der beschränkten Mittel recht eindringlich vermittelt wird. So erscheint der Überlebenskampf relativ schonungslos und gleichermaßen glaubhaft, obgleich es ferner hilfreich gewesen wäre, dem Geschehen eine zeitliche Zuordnung der Tage im Schnee hinzuzufügen. Zumal ab und an eine Off-Stimme in Form von Arnold Marquis bemüht wird, die wesentlichen Fakten zu ergänzen.

Wenn Geld verbrannt wird, um aus Eis Trinkwasser zu gewinnen, erscheint das weitaus nachvollziehbarer, als dass sich Leute erst nach drei Wochen anfangen miteinander auszutauschen. So läuft es dramaturgisch nicht immer ganz rund und doch wird die Gesamtsituation überwiegend authentisch verpackt, was Freunden von Survivalfilmen durchaus entgegenkommen dürfte.
6 von 10

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