Brandon Lee spielt einen Gitarristen, der von einer Bande Gangster ermordet wird, während seine Frau vergewaltigt und anschließend ebenfalls getötet wird. Seine Seele wird von einer Krähe aus dem Reich der toten zurückgeholt, so bekommt er schließlich die Chance, sich zu rächen.
Werden die Perlen aus dem Sub-Genre Gothic aufgezählt, so findet sich ein Film in aller Regel ganz sicher darunter: Alex Proyas "The Crow". Letztlich ist es jedoch mehr als fragwürdig, wie die Comic-Verfilmung zum Kult avancieren konnte, da es sich bei näherer Betrachtung nicht wirklich um einen Film handelt, den man als überdurchschnittlich bezeichnen könnte. So war es wohl mehr der tragische Tod von Brandon Lee, der für viel Publicity sorgte, als das eigentliche Produkt.
So ist die Story weder sonderlich innovativ, noch allzu gelungen konstruiert. Der Plot entspricht einer simplen Rache-Story und wird durch das mystische Verhältnis zwischen dem Protagonisten und seiner Krähe nicht wirklich verbessert. Und auch der Subplot rund um die Jugendliche, deren Leben der Rächer zu verbessern versucht, hebt das Geschehen nicht wirklich auf ein Niveau, auf dem es emotional auch nur im Ansatz binden könnte.
Was "The Crow" letztlich auszeichnet ist mehr die stilsichere Inszenierung von Alex Proyas. Er stampft eine extrem düstere Metropole aus dem Boden, in der Drogen, Vergewaltigung, Prostitution, Mord, Dreck und Elend zur Tagesordnung gehören, lässt einige zwielichtige, gescheiterte Gestalten in ihr umherirren und unterlegt das ganze mit einem düsteren, ebenso stimmigen Sound. In seinen besten Momenten taucht er mit der Kamera tief in diese dunkle Welt ein und zeichnet ein bedrückendes, tristes, atmosphärisches Bild, das mitunter durchaus zu fesseln weiß. Zwar sind die Darsteller dabei mitunter etwas schwach und fallen aus dem Rahmen, doch Brandon Lee, der ebenfalls extrem düster wirkt, aber zu keinem Zeitpunkt lächerlich, macht seinen Job gut genug, um den optisch hervorragenden Eindruck nicht zu verschlechtern. Die Action-Szenen sind ganz nett, zeigen das geringe Budget aber überdeutlich auf, während eine gewisse gesunde Härte die Sache abrundet.
Dennoch nimmt "The Crow" nicht so recht an Fahrt auf und ist nicht so gut, wie Proyas spätere Werke "I, Robot" und "Knowing". Denn der Protagonist gewinnt kaum an Profil und so richtig will sein Schicksal einfach nicht fesseln, weil er kaum noch menschlich wirkt und einzig und allein vom Hass getrieben ist. Sympathisch sieht letztlich anders aus. Außerdem ist er vollkommen unverwundbar, was den Rachefeldzug, den er kaum verlieren kann, zumal die Krähe an seiner Seite ihm den Weg zu seinen Peinigern zeigt, mäßig spannend gestaltet.
Fazit:
Der düstere Gothic-Style kann sich durchaus sehen lassen und sorgt für eine dichte Atmosphäre. Dennoch wird "The Crow" seinem Kultstatus kaum gerecht, da die Rache-Story weder innovativ noch geschickt konstruiert ist und die Action-Szenen das Geschehen ebenfalls nicht wirklich übers Mittelmaß zu heben vermögen.
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