Elmore-Leonard-Verfilmungen sind immer so eine Sache.
Entweder sie halten sich im Ton an die Vorlage,schaffen es aber dennoch, sich von ihrer literarischen Basis zu lösen und so auch zu einem Filmvergnügen zu werden (OUT OF SIGHT), oder sie versuchen, sich so exakt an der Coolness des Textes entlang zu hangeln, dass sie darüber hinaus jede Dramaturgie vergessen und gähnend langweilig werden (HAWAII CRIME STORY). Eines ist beiden jedoch immer gemein: Sie werden höchstens von einer kleinen Fangemeinde wahrgenommen, und man muss schon Tarantino heissen, um das zu ändern.
Oder Barry Sonnenfeld. Verbindet man heutzutage mit seinem Namen eigentlich nur noch die MEN IN BLACK-Filme oder das Blockbusterdebakel WILD WILD WEST, so vergisst man darüber leicht, dass es eine Zeit vor diesen CGI-Spektakeln gab. Und in eben dieser Zeit gelang es Sonnenfeld, eine Leonard-Verfilmung nicht nur bei den Kritikern, sondern auch beim Publikum landen zu lassen: SCHNAPPT SHORTY.
Und woran das liegt, ist eigentlich nicht so schwer zu ergründen: An den Darstellern, die vor Spiellust fast aus den Nähten platzen. Egal, ob nun John Travolta als charmantester Geldeintreiber/Filmfan der Welt, Gene Hackman als abgehalfterter Schrottfilmproduzent, Rene Russo als seine B-Film-Muse oder Danny DeVito als Megastar mit Napoleon-Komplex, sie alle spielen hier dermaßen entspannt, amüsant und, ja, cool auf, dass es eine wahre Freude ist. Ob das an der Handlung liegt, sei mal dahingestellt, denn Typen, die mit irgendwelchen Mafiamoneten durchbrennen, sind nicht unbedingt der seltenste Krimikniff. Vielmehr scheint es der Umgang mit Hollywood zu sein, der dem Ensemble so großen Spaß zu bereiten schien.
Ob nun Martins Spleen, immer so in Straßenrestaurants zu sitzen, dass er sein Kinoplakat sehen kann, die Tatsache, dass Drehbücher in Hollywood auch gern mal vom Autor zum Psychiater zum Trainer und dann erst zum Schauspieler wandern, oder die Finanzierung von B-Movies als Geldwäsche für die Drogenmafia, kein Thema ist dieser Geschichte heilig. Kein Wunder, dass die darsteller hier Feuer und flamme waren. Im Gegensatz zur sonstigen Selbstbeweihräucherung Hollywoods ein extrem amüsantes, dennoch nie plattes Vergnügen, das locker dahinfließt.
Leonards Bücher sind bei der amerikanischen Literaturkritik unter anderem so beliebt, weil sie "fließen", weil es nichts gibt, das störend aus der Handlung herausragt, weil ein Wort das nächste gibt und es trotz dieses Mangels an Aufs und Abs nie langweilig wird. Und hier muss man sagen, dass SCHNAPPT SHORTY geradezu kongenial ist. Nach Ansicht des Films wird man schwerlich sagen können, dass es eine Szene gab, die besonders aus dem Film herausstach, oder sich einem ins Gedächtnis brannte. Was bei anderen Filmen eher negativ ist, macht gerade den Reiz von SCHNAPPT SHORTY aus: Ein konstanter, sich nie aufbäumender, aber auch nie verebbender Fluss aus Komik und Spannung, getragen von darstellerischen Glanzleistungen. Ein Film wie ein gutes Buch, ein perfekter Film zum immer-mal-wieder-sehen.
Die Messlatte ist also jetzt, 10 Jahre später, für BE COOL verdammt hoch gelegt.