Ein eigenes Haus im Grünen, davon träumen Scott (Michael Ealy) und Annie Russell (Meagan Good) schon seit Ihrer Hochzeit - jetzt soll es endlich soweit sein, denn nach einer Beförderung haben der Werbefachmann und seine Frau auch das nötige Kleingeld beisammen. Das Objekt der Begierde ist ein efeuüberwachsener Landsitz in Napa Valley, Kalifornien, in den sich Annie auch sogleich verliebt, wenngleich die geforderten 3,5 Millionen Dollar das gemeinsame Budget doch übersteigen. Aber da der Besitzer Charlie Peck (Dennis Quaid), ein rüstiger Rentner, noch ein bißchen im Preis heruntergeht, einigt man sich dann schließlich doch, womit dem künftigen Familienwohnsitz des wohlsituierten afroamerikanischen Paars nichts mehr im Weg zu stehen scheint.
Womit die beiden jedoch nicht gerechnet haben, ist die Hartnäckigkeit des ehemaligen Besitzers, der entgegen seiner geäußerten Absicht, zu seiner Tochter nach Florida zu ziehen, immer noch vor Ort in einem kleinen Hotel wohnt und sein früheres Domizil nicht aus den Augen läßt. Alle paar Tage erscheint er auf dem Anwesen, mäht dort den Rasen, lädt sich zum Thanksgiving-Essen ein, hilft bei der Weihnachtsdeko oder bringt einfach eine Flasche Wein vorbei. Während Scott dies immer unheimlicher wird, läßt sich Annie vom altbackenen Charme des früheren Eigentümers, der mit immer neuen Ausreden auftaucht, mehr oder weniger einwickeln, was zu leichten Differenzen zwischen den Ehepartnern führt. Doch was hat dieser vordergründig jovial lächelnde Charlie, der in manchen seltenen Augenblicken seine Wut über die vorgenommenen Veränderungen im Haus kaum unterdrücken kann, eigentlich vor?
Ein Ex-Besitzer, der sich von seinem Wohnsitz nicht trennen kann - dieses nicht ganz neue Szenario ziehen Regisseur Deon Taylor und Drehbuchautor David Loughery vor dem Hintergrund einer malerischen Villa im ländlichen Kalifornien auf. Doch wie wird man den unerwünschten Eindringling, der kein einziges Mal aggressiv auftritt und für alles eine simple Erklärung zu haben scheint, wieder los? Vor allem, wenn einem die eigene gute Erziehung einen Rauswurf verbietet (wie bei Annie) oder man ein Schußwaffen-Trauma hat wie Scott, der dadurch seinen Bruder verloren hatte und allein deswegen nicht mit dem Jäger und Waffenkenner Charlie kommunizieren kann oder will?
Dieses Dilemma bestimmt weite Teile des Filmdramas The Intruder, das aus seiner Prämisse allerdings zu wenig macht und durch eine relativ frühe und deutliche Offenbarung von Charlies Charakter dem Streifen auch weitgehend die Spannung nimmt. Denn statt das Publikum relativ lange über dessen Motive im Unklaren zu lassen (ist er nur ein Spinner, der sich nicht von alten Gewohnheiten trennen kann oder steckt ein planvolles Vorgehen hinter seinem Verhalten) wird schon bei der Einweihungsfeier, bei der ein Freund Scotts seine Zigarettenkippe in den Garten schmeißt und später ein unerklärliches Brandloch in seinem gehegten und gepflegten Sportwagen findet, recht deutlich, daß Charlie keineswegs der freundliche Alte ist, der er zu sein vorgibt.
Wenig überzeugend auch der Charakter Annies, die jegliches gesunde Mißtrauen vermissen läßt, als sie z.B. Charlie beim soundsovielten Auftauchen ins Haus einlädt trotz Abwesenheit ihres Mannes und dessen permanenten Besuchen grundsätzlich viel zu blauäugig gegenübersteht. Scott dagegen schafft es nicht, seine Ablehnung deutlich zu artikulieren, stattdessen schluckt er die ihn belastenden Dinge einfach runter und hofft, daß es irgendwann besser wird - ein fataler Irrtum, wie das Publikum schon früh zu erahnen vermag, denn dergleichen wird nie besser.
So bleibt es dann Dennis Quaid vorbehalten, den Film zu tragen - sein falsches Lächeln, seine vorgespielte Freundlichkeit (stets dezidiert von der Kamera eingefangen) können den Krimifreund keine Sekunde lang darüber hinwegtäuschen, daß er Böses im Schilde führt: seinen vom Großvater einst erbauten Familiensitz, in dem Charlie nach dem Tod seiner Frau und dem Wegzug seiner Tochter zuletzt unumschränkter Alleinherrscher war, hat er nur unter großem finanziellen Druck und absolut gegen seinen Willen verkaufen müssen und er denkt gar nicht daran, dieses (sein höchstpersönliches) Heiligtum aufzugeben. Ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel im Garten, die Wandbilder der neuen Besitzer oder gar deren Überlegungen bezüglich einer neuen Raumaufteilung versetzen den Soziopathen, der all dies als Eingriff in seine Privatsphäre betrachtet, in merkliche Rage, die er nur mühsam unterdrücken kann.
Die Rolle des Charlie, der vom ersten Moment an unsympathisch rüberkommt, liegt Dennis Quaid, der seiner Figur mit der Zeit auch etwas Dämonisches zu verleihen vermag - der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 65-jährige hat sichtlich Spaß daran, den Druck auf seine hilflosen Opfer zu erhöhen.
Dies bleibt dann aber auch das einzig Positive an The Intruder, der trotz einiger Psychothriller-Elemente in der zweiten Filmhälfte auf ein vorhersehbares Ende zusteuert und dieses dann auch schnörkellos und überraschungsfrei absolviert. Fazit: Mäßig unterhaltsam, zu 100% an der Figur Quaids orientiert, an der man allerdings Interesse haben sollte (sonst braucht man den Film gar nicht weiterschauen): 5 Punkte.