Review
von aanrud
Um es vorweg zu sagen, ich mag Helge Schneider. Ich mag seine Musik, seinen besonderen Humor und ich mag auch seinen ersten Film "Texas", den ich damals mehrfach im Kino gesehen habe.
Ich kann aber auch die Menschen verstehen, die mit dieser Art von Filmen und mit diesem Humor nur wenig anfangen können. Man muss sich auf diese eigenwillige Art des Filmemachens einlassen können, um Vergnügen an den überdrehten Gags und Einstellungen sowie an dem eher laienhaften Spiel (darf man es denn Spiel nennen?) der Figuren zu haben.
Worum geht es in der Handlung? Oder sollte man sich nicht eher fragen, hat der Film eine Handlung?
Nihil Baxter, ein misanthropischer Kunstsammler, hat vom Clown des Zirkuses Apollo einen Wagen gekauft. Da dieser nicht so funktioniert, wie er es sich wünscht, stellt er den Clown Metulskie zur Rede. Dieser will den Kauf nicht rückgängig machen, weshalb ihn Baxter mit einer Skulptur erschlägt. Dieser Mord ist Grund genug für Kommissar 00 Schneider, aus dem Ruhestand zurückzukehren, um mit seinem Gehilfen Körschgen den Fall zu klären. Soweit die Grundhandlung, um die sich aber Schauspieler und Filmemacher im Folgenden nur am Rande kümmern. Der Film wirkt stellenweise, als hätte er keine Handlung und bestände nur aus einer losen Aneinanderreihung von Szenen und Einfällen. Was im Vorgänger "Texas" noch bedingt funktioniert hat, droht hier den Film zu zerfasern bzw. auseinanderfallen zu lassen. Zu zusammenhangslos stehen die mitunter recht komischen Einzelszenen (z.B. Schneiders Traum vom Besuch des Neanderthalmuseums) nebeneinander und wirken insgesamt nur wenig motiviert. Einzelne Szenen werden in ihrer Länge zudem bis an die Grenzen ausgereizt, sodass man der Figur Nihil Baxters als Zuschauer zu oft zustimmen muss: "Mir ist sooo langweilig!". Das funktioniert an der einen oder anderen Stelle, dann aber wird es wirklich ermüdend, was wiederum schade ist, da dann gewisse Details untergehen.
Die lose Aneinanderreihung mehr oder weniger lustiger Einfälle funktionierte bei "Texas" noch gut, auf der Bühne sowieso, hier im zweiten Kinofilm Helge Schneiders wird es aber eher ein "Malus". Schade, denn in der Figur des Kommissars 00 Schneider liegt mehr Potential, genauso wie in den vielen Nebendarstellern (allen voran im 2002 verstorbenen Helmut Körschgen). Schneider, der bei diesem Filmprojekt von Christoph Schlingensief unterstützt wurde, hätte vielleicht nicht ganz auf das Drehbuch verzichten sollen.
Reine Improvisation kann beim ersten Mal witzig wirken, hier wird es ermüdend. Trotzdem ist der Film für alle Fans von Helge Schneider sicherlich ein "Must Have" und auch ich habe mich an verschiedenen Stellen sehr gut amüsiert, aber wie gesagt nur an verschiedenen Stellen - schade!