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Ist es Schicksal oder Vorherbestimmung, wenn sich an einem bestimmten Datum in diversen Jahren etwas wiederholt? Und wie wahrscheinlich ist es, dass sich dies an einer relativ genau lokalisierbaren Stelle ereignet? Der spanische Regisseur Daniel Calparsoro thematisiert in seinem ruhig vorgetragenen Thriller vorrangig numerische Muster und parallel stattfindende Ereignisse, was jedoch erst zum Finale ein wenig spannender gerät.

An einer Tankstelle außerhalb von Madrid erleidet der Kumpel von Mathematiker Jon eine lebensgefährliche Schussverletzung und fällt ins Koma. Per Zufall entdeckt Jon Parallelen zu einem Gewaltakt, der vor einigen Jahren am selben Ort stattfand und eine sehr ähnliche Figurenkonstellation aufwies. Derweil wird Schüler Nico davor gewarnt, an seinem zehnten Geburtstag eben jene Tankstelle zu betreten…

Die Prämisse könnte man als eine weitere Variation von „Final Destination“ abtun, doch bei genauerer Betrachtung werden einige Leute im Leben ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Sei es bei Vergleichen von Todes - und Geburtstagen bei der Stammbaumforschung oder vielleicht der Tatsache, dass etwa dreimal in Folge am 18. des Monats ein Haushaltgerät zu Bruch geht. In der vorliegenden Geschichte wird rasch klar, dass die Begebenheiten über reine Zufälle hinausgehen und genau das versucht der psychisch angeschlagene Mathematiker mithilfe von Formeln und Recherchen herauszufinden.

Jener Handlungsstrang gerät leider nicht allzu interessant, denn zu konfus werden einige Formeln aufgedröselt und zu oberflächlich gestaltet sich die Befragung mancher Zeitzeugen.
Wesentlich unterhaltsamer gestaltet sich das Treiben um Nico, der anbei von drei Mitschülern drangsaliert wird, während seine allein erziehende Mutter von ihm mehr Mut und Entschlossenheit einfordert. So steht man als Betrachter eine ganze Weile zwischen den Stühlen, ob es denn ratsam wäre, am besagten 12.April die Tankstelle zu betreten.

Regisseur Calparsoro erzeugt mit wenigen Mitteln eine leicht bedrückende Stimmung, die durch einige Szenen im Starkregen bei Nacht intensiviert wird. Zudem stößt man bei den Figuren nicht gerade auf sonnige Gemüter, denn hier ist nahezu niemand zu irgendeiner Zeit glücklich. Auch der eher zurückhaltende Score untermalt eine Grundstimmung zwischen tiefer Melancholie und völliger Trostlosigkeit, während die grundsolide Kamera einige ebenso hoffnungslos anmutende Einstellungen herauskitzelt.

Zwar offenbart der dramaturgisch klug aufbereitete Showdown in allen Einzelheiten, was es mit der titelgebenden Warnung auf sich hat, doch das Drumherum in Sachen Formeln und Konstellation der Schicksalsträger bleibt bis zuletzt nebulös und wenig nachvollziehbar.
Dank der durchweg passablen Mimen, dem gekonnten Handwerk und dem überwiegend ansprechend gestalteten Sujet ein unterhaltsamer Beitrag, doch der große Knall fehlt irgendwie.
6 von 10

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