iHaveCNit: (on Netflix): Roma (Release: 14.12.2018 / First Look: 2018)
Natürlich habe ich es mir vor dem Jahresende nicht nehmen lassen, das neue Herzensprojekt von Alfonso Cuarón auf Netflix anzusehen, der sogar einige Tage vorher in manchen deutschen Kinos einen limitierten Release erhalten hat. Und auch sonst ist es Netflix mit diesem Film ernst, sogar bei den ganz großen Preisverleihungen mit „Roma“ an den Start gehen zu können, wenn man schon den Mantel der Exklusivität fallen lässt und sich dazu abringt, diesen Film in Kinos zu zeigen. Alfonso Cuaróns Herzensprojekt generiert einen starken Hype, den ich jedoch nicht vollends mitgehen möchte, denn dafür habe ich in diesem Jahr auf Netflix mit der Erstsichtung von „Beasts of No Nation“ und „Auslöschung“ zwei Filme gesehen, die ich besser fand. Auch wenn „Roma“ natürlich in der Award-Saison nicht nur einige Nominierungen, sondern auch Preise mitnehmen wird.
Die junge Cleo arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Adela im Haus von Sofia und Antonio als Hausmädchen und ist sehr eng in die Familie integriert. Doch bei Sofia und Antonio läuft es nicht gut, die Ehe zerbricht und Antonio verlässt die Familie einige Zeit später. Zur gleichen Zeit wird Cleo von Fermin schwanger, der feige die Verantwortung fallen lässt. Somit haben Cleo und Sofia alle Hände voll zu tun ihr Leben zu meistern, während es in den Jahren 1970 und 1971 zu Studentenunruhen kommt.
Wer sich auf Cuaróns Film einlassen möchte, muss auf zwei grundlegende Dinge einstellen – Den Film gibt es nur in der spanisch/mixtekischen Originalfassung zu sehen, die man sich untertitelt ansehen kann und der Film ist in Schwarz/Weiß gehalten. Dabei ist vor allem der Grad des Schwarz/Weiß so kontrastreich, dass man sehr viele Details in den Bildern wahrnehmen kann und vergisst, dass man sich hier einen Film in S/W ansieht. Die Art, die Cuarón hier mit der Kamera arbeitet und bei den Fahrten und Schwenks auch mal komplette Szenen in einer Einstellung laufen lässt ist sehr stark. Dabei schafft er es auch, dass in einigen Momenten sowohl die intime Geschichte der Familie und von Cleo als auch das Bild der damaligen Gesellschaft in Mexiko gezeichnet wird. Da Cuarón hier fast alles im Film auf Basis eigener Erinnerungen dargestellt hat, gebührt im dafür ordentlich viel Respekt für sein eigenes Projekt. Es gibt vor allem eine Szene und Einstellung im Film zwischen der Hälfte und Mitte des Films, die unfassbar spannend, emotional und tragisch ist, dass es wehtut das alles mit ansehen zu müssen. Ich habe nur ein leichtes Problem damit gehabt, dass der Film stellenweise nicht aus dem Quark gekommen ist und auch für mich trotz erkennbarem roten Faden keine klare Konklussion erkennbar war.
„Roma“ - My First Look – 9/10 Punkte.