Review

Ich hör' die Nachtigall trapsen


Mit dem sehr realen und emotionalen „Monster“meisterwerk „The Babadook“ konnte sich Jennifer Kent in den 2010ern eindrucksvoll einen Namen machen. Mit ihrem noch wesentlich ambitionierteren Regiezweitling „The Nightingale“ legt sie nach - und wie! Als enorm garstige und echte Mischung aus „Walkabout“, „The VVitch“ und „I Spit on Your Grave“ läuft sie hier zur Höchstform auf und lässt ihren Namen endgültig mit auf ewig verdammt hohen Erwartungen und Möglichkeiten verschmelzen. Hier zieht eine traumatisierte, vergewaltigte Mutter, Sängerin und Ehefrau in eine Verfolgungsjagd und einen Rachefeldzug quer durch Busch, Traumata und ein Land im Krieg und in Aufruhr…

„The Nightingale“ ist ein Ausnahmefilm, keine Frage. In seiner Härte, in seinem Bildmass, in seiner Emotionalität, wie er brutal und rigoros seine niederschmetternde Geschichtsstunde durchzieht. Da kann sich Jennifer Kent wirklich auf die Schulter klopfen und den Sophomore Slump erstmal vergessen. Menschlich monströs, historisch sicher nicht unkorrekt, bildlich eine Wucht, emotional am Siedepunkt. Rape & Revenger waren mal/sind meist Exploitation pur. Das hier ist allerdings ein ganz, ganz anderes Kaliber. Keine Minute zu lang, kein Bild zu viel, keine Mimik daneben. Gespenstisch oft. Glaubhaft leider öfter. „The Nightingale“ ist edelstes und bitterstes Genrekunstkino tief in die Magengrube beißend. 

Fazit: einer der härtesten und un-exploitativsten Rape&Revenger aller Zeiten. Ein feministischer Schocker. Eine pechschwarze Stunde Australiens. Und ein kunstvoller und positiv anstrengender Genrefilm. Eher böse Lehrstunde als lockere Unterhaltung. Mit „The Nightingale“ toppt Jennifer Kent sogar ihren „Babadook“ nochmal! 

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