Review
von Leimbacher-Mario
Introvertierte Exploitation
Die größten Helden kennt keiner... Das ist eine traurige Wahrheit. Und eine, der auch Calvin Barr, der Protagonist dieser Geschichte, unterliegt. Denn er hat Hitler im zweiten Weltkrieg erschossen und soll nun für die kanadische wie amerikanische Regierung den Bigfoot erlegen, der eine tödliche Seuche verbreitet. Doch während die Ermordung des Naziführers von allen Seiten unter Verschluss gehalten wurde und den Verlauf der Geschichte nicht im geringsten geändert hat, lebt der einstige Soldat ruhig und verlassen (und verflucht?) sein Leben, hat nicht wirklich Lust auf die nächste heroische Tat, die eh keiner mitbekommen wird...
„The Man who killed Hitler and then the Bigfoot“ ist ein Spoiler und für viele ein (zu) vielversprechender Titel. Denn während man so etwas wie Tarantino oder gar „Iron Sky“ erwarten könnte, liefert der mutige Regiedebütant Krzykowski hier kein Exploitation oder Trash, sondern eine fast meditative Charakterstudie ab, die alle Erwartungen und Vorurteile ziemlich genial unterwandert. Fast ein Antiwitz. Sam Elliott erdet die besondere, nachdenklich stimmende Zeichnung eines Helden, der keiner ist, der keinen hat, den keiner kennt. Was für eine One-Man Show! Ich kann jede Enttäuschung und falsche Hoffnung nach dem Titel verstehen - doch gerade weil er so subversiv und clever fast alles widerlegt und umkehrt, ist mir dieses Drama dermaßen sympathisch. Retrofeeling, aber nicht zu viel. Emotionen, aber nicht aufgesetzt. Ein hochwertiger Look, trotz mickrigem Budget. Man spürt die Leidenschaft und das Herz in diesem langjährigen Projekt an jeder Ecke. Selten hat mir etwas derart Langsames und Unerwartetes so viel Freude gemacht, ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ein wenig wegen dem Gedanken an die vielen blöd dreinschauenden Gesichter, die einen grindhousigen B-Movie-Kracher erwartet haben. Aber vor allem, weil das Ding mich von vorne bis hinten gefesselt hat und mir Calvin und sein Schicksal nah gingen, mir alle Thesen zum Thema Heldentum, Zufriedenheit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und unserer undankbaren Gesellschaft noch lange durch den Kopf spukten. Wer also Geduld hat, gerne überrascht wird und eine exzellente Charakterstudie in einem bizarren Rahmen sucht, könnte eine kleine Perle gefunden haben.
Fazit: liefert das, was der Titel verspricht. Aber absolut nicht das, was sich die meisten Zuschauer darunter vorstellen. Eine faszinierende Charakterstudie, ein stur gegen den Strich gekämmter Exploitationschleicher. Entschleunigt, stilvoll, überraschend. I like!