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Eine Nonne hing am Glockenseil... und gähnte

Auf das Conjuring-Universum kann man als Horrorfan stolz sein, ist es doch das erste seiner Art und läuft auf Hochtouren, selbst nach Fehlschlägen. Desweiteren war der Hype groß auf den klösterlichen Ableger samt wirklich gruseliger Einführung der dämonischen Nonne in "Conjuring 2". Und der junge Regisseur Corin Hardy konnte sich mit seinem "The Hallow" erste Sporen im Genre der Furcht erarbeiten. Alles war angerichtet für ein Fest der Angst. Leider enttäuscht "The Nun" heftig und kann nicht nur nicht an die Conjurings heranreichen, er hat sogar arge Probleme an den auch schon eher mäßigen Annabelles dran zu bleiben. Das war so nicht zu erwarten und kann durchaus als echte Enttäuschung und krachendes Ärgernis durchgehen.

Wir folgen einer Novizin und einem recht erfahrenen Priester nach Rumänien, wo sich allem Anschein nach eine dunkle Kraft in den Gemäuern einer alten Kirche breit gemacht hat... "The Nun" ist durch und durch kein guter Film. Ein ordentliches Tempo plus seine kurze Laufzeit helfen, einige tolle Anspielungen auf Lucio Fulci und echte Horrorklassiker lassen kurz Hoffnung aufschimmern, Taissa Farmiga sehe ich immer extrem gerne und ihr fliegen die Sympathien zu (selbst wenn ihre Verbindung zu ihrer älteren Schwester unfassbar ungenutzt zurückbleibt)  - doch insgesamt reicht das einfach nicht. Nichtmal für unerfahrene Horrorneulinge. Hier ein Buh, da ein künstlicher Longshot, dort eine dämonische Fratze, schnelle Schnitte, noch schneller vergessen. Nein. Nein. Nein. Es fehlt an Figuren mit denen man bangt, es fehlt an Atmosphäre die fesselt, es fehlt sogar an einer Antagonistin vor der man Angst hat. Sie schreit nur laut und zeigt ihre Beisserchen. Achselzucken statt Gänsehaut, Müdigkeit statt Terror. Hardy kann viel mehr und "The Nun" wirkt wie eine lieblose Auftragsarbeit von ihm, die, wenn es nach Qualität und nicht nach Zuschauerzahlen gehen würde, auf keinen Fall eine Fortsetzung verdient hätte. Das ist nicht das Comeback des Gothic-Grusels. Ganz und gar nicht. Leider.

Fazit: leider eher "Annabelle" als "Conjuring", leider eher billige Geisterbahn als echter Grusel, leider eher Künstlichkeit als Gänsehaut - insgesamt eine fette vertane Chance auf eine neue weibliche Horrorikone. Morgen schon vergessen. Spätestens. 

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