Review

kurz angerissen*

Als Ausstattungsfest ist er durchaus zu gebrauchen, dieser nun bereits fünfte und demnach völlig nährstoffarme Eintrag in das merkwürdige Universe-Gebilde von „The Conjuring“. In rumänischen Klostern wird eben nicht allzu oft gefilmt, und so erfreuen wir uns an einem erfrischenden Tapetenwechsel nicht nur auf die Reihe bezogen. Gruftige Kellergewölbe und mit Gras überwucherte Grabflächen gehörten vielleicht vor 30 oder 40 Jahren zum Standard-Repertoire des Horrorfilms, heute korrodieren solche Bilder eher im Andenken an längst vergangene Tage.

Schön, dass „The Nun“ über seine volle Laufzeit an den altmodischen Kulissen festhält und selbst bei seinen wenigen Vorstößen in die Zukunft bloß im Vintage der 70er landet, in denen die Hauptfilme angesiedelt sind. So bleibt die Atmosphäre schön luftdicht versiegelt und beweist Durchhaltevermögen, anstatt sich schon nach dem Prolog zu verdünnisieren. Auch die Titelfigur profitiert vom überdurchschnittlich sehenswerten Produktionsdesign: Bei einem Dämonen im Nonnenkostüm kommt es eben auch ganz entscheidend auf die Präsentation an. Die ergibt im Zusammenspiel von Beleuchtung, Kamera und Maske eine geschlossene Einheit, die sich als Ausgangsbasis für effektvollen Grusel bewährt.

Dass diese Vorlage nicht genutzt wird, hat mehrere Gründe, deren Probleme zumeist im feststeckenden Getriebe des zeitgenössischen Mainstream-Horrorfilms ihre Wurzel haben. Es ist zwar keine neue Entwicklung, dass erfolgreiche Ideen auch dann fortgesetzt werden, wenn es – vom lieben Geld abgesehen – keine plausiblen Gründe für dieses Vorgehen gibt. Aber wohl nie waren die niederen Beweggründe der Produzenten durchschaubarer als bei der aktuell umgehenden Neuentdeckung des Konzepts „Filmuniversum“. So viel Eindruck die dämonische Nonne als Nebenfigur hinterlassen hat, von selbst wäre man wohl eher nicht auf die Idee gekommen, ihr einen eigenen Film zu spendieren. Zu Recht; das Drehbuch ist behelfsmäßig anhand von Schablonen zusammengesetztes Flickwerk. Was man einem anspruchslosen B-Movie noch durchgehen lässt, damit muss man den Teil eines solchen „Universums“, das sich stets als bedeutungsvoll verkauft, längst nicht davonkommen lassen.

Darüber hinaus wird, wenngleich dies keine Überraschung darstellt, zu sehr auf Jump-Scare-Mechaniken vertraut, vor allem aber auf ein Rezept, das bis zur Ermüdung immer wieder durchkonjugiert wird: Eine gerade noch aus dem Nichts manifestierte Erscheinung ist (meist unscharf) im Hintergrund zu sehen und gerät durch Kameraschwenks oder Schnitte aus dem Bildausschnitt, nur um bei der Rückkehr in die ursprüngliche Position verschwunden zu sein. Oder Dinge werden zu einem Zeitpunkt in aller Ausführlichkeit erklärt, um garantiert zu einem anderen Zeitpunkt in einer Horrorsequenz zurückzukehren (Glocke am Grab). Diese Art des Inszenierens erzeugt den Schein aufwändig komponierter Szenen, in Wirklichkeit jedoch wird aus Faulheit einfach im Konsens gebrandschatzt... ja, selbst die erinnerungswürdige Portrait-Szene aus „The Conjuring 2“ wird in einer weit weniger effektiven Variante neu interpretiert.

„The Nun“ ist also eine Produktion mit Fließbandcharakter und hat lediglich das Glück auf seiner Seite, immer noch auf ein herrlich garstiges Filmmonster zurückgreifen zu können, das auf Phobien abzielt, die eher selten abgerufen werden. Dazu sind Location und historisches Setting vortrefflich gewählt, was sich am stimmungsvollen Ambiente zweifelsfrei ablesen lässt. Das ist immerhin etwas. Bei weitem aber nicht genug, um die Notwendigkeit dieses Spin-Offs zu rechtfertigen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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