James Silva (Mark Wahlberg) ist US-Spezialagent für besonders heikle Fälle und als solcher der Leader eines kleinen Teams, das weltweit immer dann zum Einsatz kommt, wenn die amerikanische Diplomatie und Kavallerie schon nichts mehr ausrichten können. Während man ihn in der Eingangsszene bei einer von dutzenden Kameras aus allen möglichen Perspektiven gefilmten präzisen Liquidierung einer russischen Terror-Zelle in einem amerikanischen Vorort beobachten darf, die er und sein Team realtiv problemlos meistern, stellt der nächste Auftrag schon eine größere Herausforderung dar: In einer südostasiatischen Metropole möchte ein Überläufer der örtlichen Polizei in die USA transferiert werden - zu bieten hat er dafür die Verstecke von gestohlenem, hochbrisantem Bio-Waffen-Material, verschlüsselt auf einer Festplatte, die sich allerdings langsam selbst zerstört. Neben dem somit evidenten Zeitfaktor gibt es aber noch ein weiteres Problem: Der Geheimdienst des südostasiatischen Staates möchte den Überläufer um jeden Preis im Land behalten und so werden die titelgebenden 22 Meilen bis zum Flugfeld, wo eine startbereite US-Maschine bereits wartet, zu einer harten Nuss für Silva und sein Overwatch genanntes Team...
Mile 22 ist ein Agenten-Actioner, der neben diversen Kampfszenen und Shoot-Outs inhaltlich leider relativ wenig Neues oder gar Überraschendes zu bieten hat: Wahlberg als Kopf eines mit sämtlichem technischen Schnick-Schnack ausgestatteten SWAT-Teams ballert sich einigermaßen zielsicher durch den Film, vermag aber aufgrund mangelnder Charakterzeichnung (er wäre als Kind schon sehr aggressiv gewesen und als tickende Zeitbombe genau deshalb prädestiniert für diesen Job - hmmm?) nicht unbedingt Sympathie aufzubauen, und die zweite Hauptrolle, sein Team-Mitglied Alice Kerr (Lauren Cohan) als toughe weibliche Kämpferin (mit Sorgerechtsproblemen mit dem Ex über das gemeinsame Kind), der in manchen Action-Szenen die Haare ins Gesicht flattern, ist ohnehin vollkommen klischeehaft und austauschbar. Der geheimnisvolle Überläufer Li Noor (Iko Uwais), als unauffälliger Informant eingeführt, darf dann einige Kostproben seiner Martial-Arts-Kampfkünste vorführen und John Malkovich als Geheimdienst-Chef überwacht die ganze Aktion - eine 08/15-Konstellation, wie man sie schon häufig gesehen hat.
Spannung kommt zu keiner Zeit auf, denn von Anfang an ist klar, daß es Wahlberg gelingen wird, den Überläufer wohlbehalten ins Flugzeug zu bringen. Daß sein Team dabei auch einige Ausfälle hinnehmen muß, liegt auf der Hand, daß er und Cohan diesen streckenweise an einen Ego-Shooter erinnernden Auftrag heil überstehen, genauso. Die Gegenseite, neben dutzenden gesichtslosen Killern personell dargestellt durch den finster dreinblickenden asiatischen Geheimdienst-Chef, mit dem sich Wahlberg einige wenige Wortduelle (à la "Du hast nicht noch zufällig etwas Munition für ne 45er?" - "Doch, kommt sofort: PENG PENG PENG") liefert, ist natürlich nur Kanonenfutter für das Overwatch-Team. Fast schon peinlich wirkt der Tod dieses Geheimdienst-Chefs durch eine (vergleichsweise billige) Drohnen-Bombe ganz am Ende des Films, statt durch einen erwartbaren Showdown mit Wahlberg selbst.
Der südostasiatische Staat bzw. die Stadt, wo das Ganze spielt, bleibt ebenso ungenannt (es könnte sich um Singapur, Jakarta oder auch Manila handeln) wie die Beteiligung der Russen an der ganzen Sache - ein bewußt undurchsichtiges Geflecht internationaler Geheimdienste, das nur einen losen Rahmen für die Action-Szenen darstellen soll.
Regisseur Peter Berg, der mit Wahlberg schon einige (und zwar bessere) Filme (wie Deepwater Horizon oder auch Lone Survivor) gedreht hat, bindet zwar zum Schluß einen kleinen Plot Twist ins Drehbuch ein, der aber nicht wirklich schlüssig erklärt wird, sondern eher als Ankündigung eines Sequels gedeutet werden kann. Somit bleiben von Mile 22 nur die vielen Action-Szenen, in denen die reichlich verwendeten automatischen Waffen, Handgranaten und Einschußlöcher für temporeiche Kurzweil sorgen, darüber hinaus jedoch keinerlei bleibende Wirkung verzeichnet werden kann. 5 Punkte.