Review
von Leimbacher-Mario
Hohles Halbmantelgeschoss
Das (Wahl)Berg-Team hat mal wieder zugeschlagen - „Mile 22“, ein harter Actionthriller, wie „Extraction“ nur in lahmer, wie „American Assassin“ in ähnlich egal, wie „The Raid“ in... ach, lassen wir den Vergleich, das gehört sich nicht. Erzählt wird jedenfalls von einem hochbegabten Special-OPs-Team, das die brenzligen Aufgaben und Kills übernimmt, für die die amerikanische Regierung und westliche Welt nicht ihr Gesicht hinhalten will. Doch in diesem hochmodernen lauwarmen „Krieg“ ist es manchmal gar nicht so leicht, die Übersicht und das Vertrauen zu bewahren, denn Doppel- und Dreifachagenten lauern überall...
„Mile 22“ merkt man die Chemie und Eingespieltheit im Team an, das Ding geht grundsätzlich schon gut rein und nach vorne, nutzt seine (für einen heutigen Hollywoodfilm) minimale Laufzeit effizient und lässt Wahlberg schnippisch und hyperaktiv zu Hochtouren auflaufen. Zumindest auf dem Papier. Zudem ist die Action oft erfreulich humorlos, hart, heftig, bekannte Gesichter wie TWD's Lauren Cohen sieht man schon gerne mal auf der Leinwand und Iko Uwais ist ein Highlight, wird seinen momentanen Ruf gerecht. Nur vom Ende weiß ich nicht, ob ich das ballsy oder bescheuert finden soll... tendiere aber zu Letzterem. Doch das ist bei weitem nicht das einzige Problem dieses Schnellschusses, der dreist auf ein Franchise zielt. Sämtliche Figuren sind (vollkommen beabsichtigt!) unsympathisch bis nervig, ein Malkovich ist erstaunlich verschenkt, die Geschichte nimmt trotz aller Kinetik emotional nie auch nur den Hauch von Fahrt auf und ich war immer auf dem Sprung zur Langeweile bzw. zum Handy. Und das lag immerhin in der Küche! Das muss man bei dem Tempo und der Laufzeit auch erstmal schaffen. Zudem war er oft einfach viel zu shaky geschnitten und aufgenommen, was man bei einem Kampfkönner wie Uwais noch viel weniger als sonst schon verstehen kann. Alles in allem: nett. Aber wovon das die kleine Schwester sein kann, dürfte ja bekannt sein...
Fazit: hart, geradeaus, simpel - sicher nicht total schlecht, auch nicht besonders gut. „Mile 22“ hat seine Fehler, wie Unsympathen als „Helden“, seine möchtegern-coole Art oder unübersichtliche Schnitte, kann meist jedoch zumindest die Grundbedürfnisse von modernen Actionfans befriedigen und hier und da sogar mal mehr als das. Nett halt. Fan des Duos Wahlberg/Berg werde ich in diesem Leben aber scheinbar nicht mehr... Erst recht bei diesem dreisten Ende.