Endlich erhalten Arthouse-Fans und anspruchsvolle Kritiker die Möglichkeit für ausladende Lobpreisungen, denn der erste Langfilm von Kevin Kopacka scheint bei jenem Klientel gut anzukommen. Der Vorteil eines visualisierten Fiebertraumes ist ja, dass man auf abstrakter Ebene so ziemlich alles hineinpacken kann. Der Nachteil: Wer auch nur den Hauch einer Erzählung sucht, wird 75 Minuten lang gar nichts entdecken.
Polizist Till Hager (Philipp Droste) bekommt es bei seinem neuen Auftrag mit der neuartigen Droge Abaddon“ zu tun, welche den Konsumenten direkt in höllische Gilde befördern soll.
Nachdem bereits ein Kollege nach einem Einsatz spurlos verschwand, droht nun auch Hager den Boden unter den Füßen zu verlieren…
Mit dem Polizeieinsatz in einem Mehrfamilienhaus kündigt sich anfangs noch so etwas wie ein roter Faden an, der kurz darauf sogleich außer Acht gelassen wird. Hauptfigur Hager kämpft schon bald mit Dämonen der Vergangenheit, mit der Zerrissenheit gegenüber seiner aktuellen Beziehung und mit unterschiedlichen (extremen) Meinungen einiger Kollegen über die Droge. Droge ist dann auch direkt das Stichwort, denn bei derart vielen Verfremdungen, Farbfiltereinsätzen, Schattenspielchen und Neonfarben fällt es zunehmend schwer, zwischen Wahn und Realität zu unterscheiden.
Anbei stellt sich allerdings die Frage, ob es zumindest eine Dialogregie gab, denn die wenigen Alltagsgespräche kommen überaus hölzern und unrealistisch rüber, - gehört im Zweifel zum Traum. Gleiches gilt für die Mehrheit der Mimen, denen die krampfhaften Bemühungen in nahezu jeder Szene anzumerken sind, aber auch das mag dem Alptraum geschuldet sein, es grundlegend nicht mit greifbaren Figuren zu tun zu haben. So ein Höllentrip hat echt viele Nachteile.
Ein entscheidender ist der nicht vorhandene Unterhaltungswert infolge von beliebig aneinander gereihten Kompositionen, die von zumeist tiefen Hüllkurven begleitet werden, wenn nicht zwischendurch ein Piano mit etwas höheren Tönen angestimmt wird. Szenen wiederholen sich, dazwischen tummeln sich Zitate und Anlehnungen von Dantes „Göttliche Komödie“ und während eine Psychotherapeutin (oder was auch immer die Dame verkörpern soll) zumindest einige Fragen in den Raum wirft, tun sich immerhin noch einige Abgründe der Hauptfigur auf.
Hat mit Spannung jedoch wenig zu tun.
Der surreale Mix aus Familiendrama und persönlicher Tragödie darf von Freunden vermeintlich hoher Kunst gerne abgefeiert werden, - schließlich hat man mit wenig Budget eine kunterbunte Psychodelic-Optik hinbekommen. Inhaltlich macht das Ganze jedoch wenig bis gar keinen Sinn und wer weder auf Arthouse noch auf experimentell-schummrige Drogentrips steht, sollte um „Hager“ einen möglichst großen Bogen machen.
3 von 10