Slender Girls gab es ja schon vor Jahrzehnten als Horror-Erscheinungen in Filmen wie „Ring“ oder „Grudge“. Seit 2009 gibt es das gesichtslose männliche Pendant, welches kurz darauf in einem Videospiel für Gänsehaut sorgte. Doch Horrorspiele effektvoll auf die große Leinwand zu bringen, war bereits ein Problem bei „Resident Evil“ und „Silent Hill“ und auch die vorliegende Umsetzung offenbart lediglich in Ansätzen, welch Nervenkitzel unter Umständen möglich gewesen wäre.
Vie Schülerinnen um Wren und Hallie werden auf den Internet-Mythos „Slender Man“ aufmerksam und schauen sich auf der entsprechenden Seite ein Video an. Kurz darauf verschwindet eine von ihnen spurlos, während die übrigen von düsteren Visionen heimgesucht werden…
Schwer zu beurteilen, ob Regisseur Sylvain White ohne nachträgliche Auflagen von Sony einen besseren Film hinbekommen hätte. So sorgte die Produktion weit im Vorfeld für Negativschlagzeilen, es wurden nahezu sämtliche Gewaltszenen entfernt und aufgrund etlicher Schnitte prasselt das reine Kontinuitätschaos auf den Zuschauer ein.
Das Editing ist dermaßen ungeschickt, dass das Verschwinden ohne dramaturgische Finesse vonstatten geht: Gruppe auf einem Friedhof, Opfer Katie wähnt etwas zwischen den Bäumen. Cut. In der nächsten Szene rufen die Freundinnen, während bereits die Cops eintreffen.
Spannung kommt da folglich nicht auf.
Im Verlauf gibt es mehrere Situationen, bei denen drastische Schnitte überdeutlich werden, Hintergründe völlig fehlen und andere Schicksale wie die eines männlichen Love Interests gar nicht weiter verfolgt werden, obgleich sich auch hier etwas düsteres anbahnte.
Die schwach gezeichneten Figuren können dies nicht ansatzweise kaschieren, auch die Schauspieler bleiben blass. Selbst Javier Botet, der ja auf körperlich skurrile Erscheinungen abboniert ist, vermag dem Titelgebenden kaum etwas Furchteinflössendes einzuhauchen, obgleich die besseren Szenen sein Erscheinen beinhalten.
Ein Spuk in einer Bibliothek mit verzerrter visueller Wahrnehmung zählt da zu den besseren Szenen, beim surreal anmutenden Treiben in einem Hospital entsteht zumindest ein wenig Gruselatmosphäre, doch wenn die vermeintlichen Helden mehrheitlich damit beschäftigt sind das Smartphon zu bearbeiten und möglichen Hilfestellungen nur halbherzig nachkommen, ist es mit dem Mitfiebern nicht weit her. Und da die Kulissen auffallend dürftig ausgeleuchtet sind, ist phasenweise ohnedies nicht viel zu erkennen.
So sind die Online-Videos mit Kurzeinsätzen des Titelgebenden bezeichnenderweise noch am ehesten schaurig, die Handlung rund um die Mädels verkommt indes zur beliebigen Geisternummer, dem die Kernsubstanz im Verlauf weitgehend abhanden kommt.
Statt schlichten, gradlinigen Gruselns gibt es eine dramaturgisch unausgereifte und zudem katastrophal geschnittene Mythos-Geschichte, die ihr Potenzial nahezu völlig verspielt.
3,5 von 10