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Eine Schulclique 16jähriger Mädchen irgendwo in den USA möchte sich die pubertätsbedingte Langweile vertreiben und ruft dazu die Internetlegende Slender Man herbei - doch der zu diesem Zweck gesichtete kurze Videoclip verstört die jungen Damen mehr, als ihnen lieb ist. Als die erste von ihnen spurlos verschwindet und die anderen merkwürdige Geräusche hören und Halluzinationen von zum Leben erwachten Bäumen mit armähnlichen Ästen erleiden, merken sie daß an der Geschichte vom "schlanken Mann" irgendetwas faul ist. Da ist es allerdings schon zu spät, denn eine nach der anderen verschwindet in dessen merkwürdigem Waldreich...

Der Slender Man ist eine vor knapp 10 Jahren erfundene Internetfigur, die irgendetwas mit Kindern zu tun haben soll - zur absichtlichen Verselbständigung kreiert, wurde die Geschichte des gesichtslosen, schlanken Mannes im Anzug der Phantasie der Leser und Zuschauer überlassen, die im Lauf der Jahre einen künstlichen Background einer Mystery-Gestalt ersannen, der Kinder und Heranwachsende mittels Telepathie entführt und tötet. Dessen folglich reichlich krause Vita, die es sogar zu einem Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia geschafft hat, nahm sich wiederum ein Major-Studio vor, das sich von dieser viral gegangenen Urban Legend einen Verkaufsschlager erhofft hatte - ein Unterfangen, das freilich gründlich in die Hose gegangen ist. Denn im Film spielen neben dem stummen Schattenmann zwar ausschließlich junge Mädchen und ihre Smartphone-Sucht eine Rolle, für ein älteres, erwachsenes Publikum ist aber überhaupt kein Platz mehr - zu simpel und  vorhersehbar ist der Plot und zu einseitig wird auf die Ängste, Hoffnungen und Nöte 16jähriger Mädels gesetzt. Wer, außer dieser adressierten Zielgruppe sollte sich diesen Film noch ansehen? Verschärfend hinzu kamen schlechte Testseher-Werte und am Ende wurde einiges Material, das im Trailer verwendet wurde, aus dem fertigen Film wieder herausgeschnitten: Sehr peinlich für Sony, die kolportierte 10 Millionen $ in das Projekt gesteckt hatten.

Der Film an sich wiederholt leider viel zu oft die immergleichen Handlungsabläufe: Der erwähnte Kurzclip verändert das Denken derer, die ihn angeschaut haben und nistet sich wie ein Computervirus im Gehirn ein. Dann folgen Tagträume und seltsame Szenen aus dem dunklen Wald, wo Bäumen Arme wie Tentaklen aus dem Stamm wachsen, die nach den fürchterlich erschreckten Opfern greifen. Im besten Fall erwachen diese schweißgebadet im Bett oder auch in der Bibliothek, manche aber kehren nie wieder. Leider tritt diese ohnehin nicht sonderlich innovative Geschichte dann zunehmend auf der Stelle, denn das Procedere wiederholt sich ein ums andere Mal ohne daß der schon genervte Zuschauer über die Hintergründe des Verschwindens, das weitere Schicksal der Verschwundenen wie auch über den Slender Man selbst etwas erfährt. Und dann kommt das Ende - sollte man meinen, aber es kommt kein Ende, sondern der Film ist irgendwann einfach aus. Ob dies von Anfang an so gewollt war oder aufgrund irgendwelcher Befürchtungen erst bei der Post-Produktion so entschieden wurde, spielt hinterher auch keine Rolle mehr - der halbgare Streifen ist in dieser Form einfach ein Ärgernis.

Das einzig Positive am Slender Man sind die Trick-Effekte, die sehr sauber ausgeführt wurden - hierfür scheint der Hauptteil des Budgets verwendet worden zu sein. Die immer wieder auftauchenden spinnenbeinähnlichen Arme sowie die oft in den Vordergrund gemischten Toneffekte von hauptsächlich knackenden Ästen tragen zwar zu einer (mittel)mäßigen Gruselstimmung bei, sind aber nichts Innovatives und können das fehlende Ende der Spukgeschichte nicht wettmachen. So endet der Slender Man irgendwo im Nichts oder erfährt im schlimmsten Fall irgendwann eine Fortsetzung - bis auf einige technisch gelungene CGIs ist dieser seelenlos generische Streifen, dessen Darsteller nicht einmal erwähnenswert sind, somit mehr oder weniger Zeitverschwendung. 2 Punkte.

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