Das sich mächtige Herrscher immer zwielichtige Gestalten als Berater in ihren Thronsaal holen ist wohl Gesetz des Fantasy und Historienfilms.
Dieser hier mit Namen Tsukinowa rät seinem König einen seiner zwei frischgeborenen Söhne von der Klippe werfen zu lassen da dieser angeblich verflucht sei und Schande über das Königreich bringen wird. Der wahre Grund ist allerdings ein anderer. Der Scharlatan ist sich nämlich bewusst, dass dieser eine Prinz der Auserwählte ist welcher später Tsukinowas Herren die böse Gottheit Tsukiyomi bezwingen wird.
Der glückliche Todeskandidat der beiden Prinzen heißt übrigens Ouzo (Der richtigen Schreibweise unwissend benenne ich ihn nach diesem köstlichen Getränk). Dieser wird im Fall aus der Tiefe aber von einem Gott gerettet und fortan von einer Priesterin großgezogen und versucht die Auferstehung des Gottes Tsukiyomi zu vereiteln, der die Reinkarnation des 8-köpfigen Lindwurms Orochi darstellt.
Die Story von Madra ist ein allzu simples Grundgerüst für ein schickes Fantasy-Abenteuer welches eher Futter für die Augen als für's Hirn bietet. Der eigentlich Obermotz taucht sowieso erst gegen Ende auf, bis dahin bietet die Reise des Prinzen Ouzo (oder eher Uzu) aber einiges an wunderschön gefilmten Schauplätzen, toller Ausstattung, dicken Monsterbossen und Magic-Kauderwelsch der etwas wohldosierter ist als in seinen artverwandten wirren HK-Fantasy-Kaspern.
Alles erinnert ein wenig an ein japanisches RPG. Der Held muss Quests erfüllen und bekommt nach erfolgreichem Monsterplätten Items mit passendem Namen spendiert (Schwert der dunklen Wolken & Spiegel des weissen Himmelvogels). Er soll auch von einer mysteriösen Statue im Laufe der Zeit 3 Zeichen erhalten mit welchen er dann schließlich den Obermacker ablascht. Außerdem ist Ouzo Besitzer eines grünen Steines, mit dessen Macht er sich in eine Art Berserker verwandelt und grüne Strahlen aus den Augen feuert. Das hört sich allerdings unfreiwilliger komisch an als es hier dargestellt wird. Das Fantasy-Ambiente ist eher besonnen und läuft nicht ganz so infernomäßig ab wie man es aus den Godzilla Schinken aus Nippon gewohnt ist.
Auf Schwertkämpfe und Monster muss man trotzdem nicht verzichten. und optisch geht es abwechslungsreich zur Sache. Mal bekämpft man einen Barbarenkönig sowie ein Feuermonster in einer staubigen, gezackten Wüstenfestung die in ihrer Darstellung an die Conan-Filme erinnert, dann wird unter Wasser gegen ein krakenartiges Vieh gekloppt, zwischendurch gibt es Magiegeschosse aus Händen, Augen und sonstigen Körperöffnungen. Dabei sind handgemachte Effekte (Monster) sowie gar nicht mal so unansehnliche Computer-FX (Magie) mit im Spiel. Die Actionszenen hätten dabei ruhig etwas ausufernder sein dürfen.
Angelehnt an die japanische Mythologie stimmt die Atmosphäre hier für Freunde fernöstlicher Fantasy. Wer mal das Videospiel OKAMI für die PS2 gedaddelt hat, wird hier viele bekannte Namen wiederentdecken (Amaterasu, Susano, Tsukiyomi) wenn auch in anderer Form oder bildlicher Ausführung.
Die Musikuntermalung trägt ebenfalls zur guten Stimmung bei.
Die Schauspieler sind wie für japanische Streifen üblich eher zurückhaltend und das Erzähltempo etwas faul. Da die Geschichte eh nicht viel hergibt und der optische Schmaus überwiegt, hätte Madra gute 20 Minuten kürzer ausfallen können. Auch die spätere Romanze im Film welche sich zwischen der Priesterin Oto und Prinz Ouzu entwickelt läuft ohne zwischenmenschliche Kommunikation ab und wird nach dem "Von Geburt an füreinander bestimmt" - Gedöns abgespult. Spannungstechnisch lässt das halt alles etwas kalt und tempomäßig wäre auch mehr dringewesen.
Trotzdem mag ich "Madra". Es ist gute Fantasy für einen entspannten Fernseh-Abend mit fernöstlichem Flair und Mythen sowie etwas Godzilla-artigem Monstergekeile. Ziemlich unterhaltsam wenn auch etwas träge. Wer japanischer Mythologie aus der Edo-Pedo-Periode (oder wie die auch immer hieß) etwas abgewinnen kann ist hier nicht verkehrt.
Von mir gibt's 7,5 von 8 abschlagbaren Köpfen (Muss er halt mit 'nem halben weiterleben der olle Gummidrache).