Das 'Problem' von BuyBust ist mehr oder minder eines, dass vom Zuschauer selber verursacht und von den Filmemachern vielleicht auch intendiert, wenn auch zumindest 'toleriert' worden ist. Im Zuge der Vermarktung wurde bereits bei der Ankündigung des Projektes und noch mitten in der Vorbereitung und der Dreharbeiten erneut vermehrt von einem kommenden Meisterwerk gesprochen; von einem Projekt, dass nicht bloß (scheinbar) ähnlich wie der die Welt erobernde The Raid - Zweiteiler aufgezogen, sondern (vermeintlich) auch in der Art und Weise gehandhabt und inszenatorisch auch so überwältigend ist. Eine vorgezogene Erwartungshaltung, die weder hilfreich bei der unabhängigen Behandlung des Filmes selber noch mit dem 'Original im Geiste' verbunden und deswegen auch schlecht bis gar nicht abseits der Prämisse zu vergleichen ist:
Als der Dealer Teban [ Alex Calleja ] im Verhör durch Detective Dela Cruz [ Lao Rodriguez ] und Detective Alvarez [ Nonie Buencamino ] unter Druck bekannt gibt, an seiner statt ihnen den Drogenkönig Biggie Chen [ Arjo Atayde ] liefern zu können, stellen die Polizisten unter Leitung von Bernie Lacson [ Victor Neri ] eine Elite Squad zusammen, die im berüchtigten Slum Gracia ni Maria in Tondo, Manila inkognito eine Übergabe und anschliessend die Verhaftung vornehmen sollen. Mit dabei sind u.a. die gerade die alte Truppe in einem Hinterhalt komplett verlorene Nina Manigan [ Anne Curtis ] und der religiöse Hüne Rico Yatco [ Brandon Vera ]; unwissend, dass sie auch nun direkt in die Falle laufen.
19:39h ist die Szenerie gesetzt und sind die Akteure vor Ort.
20:00h soll die Transaktion und die damit verbundene Verhaftung, das titelgebende BuyBust als Herzstück des Filmes stattfinden.
Ähnlich knapp wie diese Zeitspanne war die Vorbereitung für die Mitglieder der Spezialeinheit, ein kurzes, und schmerzloses Briefing mit wenig Information und trotzdem viel Bedeutung; was analog dazu in der Film auch in der gleichen Zeit einer viertelstündigen Eröffnung für die Vorstellung etwa von fünf handelnden Personen und ihrem gemeinsamen Zielsubjekt nutzt.
Schwitzend vor Angst und Beklemmung schon in der Eingangsszene, mit zerschlagenen Gesicht, mit Drohungen, mit Erpressung, mit Nötigung und dem Einschüchtern durch Gewalt fängt der Film an; und noch ist gar nichts passiert, und noch befindet man sich auch nur in der Hand zweier Polizisten, die eine Art Vernehmung zum Herausfinden von Informationen über den Aufenthaltsort des Gesuchten führen. Ein Übertreten von Gesetzen bzw. ein Machen eigener Gesetze und Richtlinien auch in den Seiten der 'Guten', auf der sogenannten Legalität, die bald außerhalb ihrer Amtsstube und ihrer Vorstellung auf eine Wirklichkeit treffen, die bis dato unerkannt war und wo die Welt nicht nur eine gänzlich andere, und in fremder Hand, sondern auch komplettes Feindgebiet ist. Blut färbt das Wasser rot und der Tod wird zum letzten und einzigen Gut.
21:39 ist man in die Falle getappt, ein vollkommen undurchdringliches Terrain, ein Konstrukt aus Auf- und Ab-, aber scheinbar keinen Ausgängen. Ein Großstadtmoloch mit der Dekoration wie aus der Müllhalde, ein Slum inmitten der Metropole, dass von eigener Logik geführt wird und mit eigenen Gesetzen gelebt. Im Blindflug direkt in die labyrinthische Hölle quasi, unvorbereitet auch noch, mit einem gerade erst zur Beförderung avancierten Teamleader und einem auch noch völlig neu zusammengewürfelten Team, dass durch das Chaos aus Regen, Matsch, Rost, Schrott, Zivilisationsschutt und Unrat hier stolpert wie mit Augenbinde und dennoch stets dem Grausen ins Angesicht sieht. Der erste Mann muss gar nicht mit der Schusswaffe dran glauben, sondern wird vor aller Ohren und Augen mit dem Totschläger niedergeknüppelt und von jetzt auf gleich aus dem Leben geprügelt; und auch danach noch 'darf' man nicht etwa 'ehrenhaft' aus einem stilisierten Zweikampf gehen, sondern wird zumeist in die Enge getrieben und bei Blitz und Donner und Geschrei von einem Lynchmob jeglichen Geschlechtern und jeglichen Altern überrannt. Molotovcocktails aus nächster Nähe werden eingesetzt, eine Gartenschere, die Stacheln eines Kaktus, die ins Gesicht des Angreifers oder der Angreiferin oder doch der Verteidigerin dieses Refugium hier gestoßen werden, und viel anderes wie Bierflaschen, Wäscheleinen, Zuber als Nahkampfwerkzeug gebraucht und mißbraucht, und wo keine Ehre, sondern der nackte Kampf noch zählt. Einmal lischt ein Stromschlag ein Großteil der Population aus und am Ende steigt nur noch Zischen und Dampf auf.
Der hiesige Filmemacher Eric Matti, der spätestens seit dem überzeugenden Polizeithriller On the Job auch über die philippinischen Landesgrenzen bekannt sein kann und autark im Schreiben und im Drehen ist, scheint nur den äußeren Umständen entsprechend und aufgrund der ähnlichen Prämisse nach Indonesien und das dortige Duo von Gareth Huw Ewans zu schielen; die asiatische Herkunft selber ist für das globale, sprich das westliche Publikum sowieso mehr oder minder dasselbe (das Pinoy Kino ist den Meisten im Grunde ebenso geläufig wie das aus Indonesien, also gar nicht; und auch der kambodschanische Jailbreak musste sich schon Analogien gefallen ist, obwohl auch da keine, und wenn überhaupt und einzig bei The Night Comes For Us vorhanden sind), und Schlagwörter für die Aufmerksamkeit auf dem Weltmarkt helfen sicherlich der Distribution, die bei diesem Film hier auch hervorragend gelang und was anderen Werken aus den Philippinen nicht vergönnt war (und manchmal sicherlich auch nicht verdient ist.)
Das Pinoy Action Cinema ist sowieso seit der Jahrtausendwende eher ein schales Licht, eine dürre Gestalt, die wie bspw. auch in HK an der Veränderung des Anspruchs der Zuschauer und deren Orientierung hin zu Hollywood und dem mangelnden Nachwuchs sowie dem fortgeschrittenen Alter der bis dahin geltenden Schauspieler und ihrer Regisseure wie Augusto Salvador, Pepe Marcos oder Willy Milan litt; der hier den Anführer der PDEA - Truppe spielende Victor Neri ist bspw. einer der einzigen wenigen 'Überlebenden' der Millennium-Ära. BuyBust als seltenes und sicher auch selten bleibendes Hoffnungs- und Ausrufezeichen, welches durch das 'Bohei' schon im Vorfeld nun auch erweiterte Publikumskreise erreichen, aber viele auch enttäuschen und nicht nur deswegen allein auf weiter Flur bleiben wird. Matti, der nach eigenen Angaben zwei Jahre in den film investiert hat, sitzt dabei auch recht zwischen den Stühlen, für einheimisches Kino ist man mit seiner (sich den Meisten aufdrängenden) politischen Lesart als Kommentar zu Rodrigo Dutertes Anti-Drogen-Krieg und dem damit verbundenen Hardlinergehabe, sowie auch gegenüber der Korruption innerhalb der Reihen der Gesetzeshüter viel zu kritisch, obwohl man nach eigenen Aussagen mit Absicht objektiv sein und bleiben will. Und für Außenstehende scheint es wiederum nur als Vorwand für eine bald andauernde Flut von mehr oder minder gelungenen, da oftmals gar nicht choreografiert wirkenden, sondern einfach im Getümmel sensorischer Gewitter und vor allem des fulminanten Sounddesigns ertrinkenden Larifari-Actionszenen. [Typisches modernes Kino als Rückschritt zu früher ist sowas wie Toto Natividads Double Barrel: Sige, Iputok Mo!, 2017, in dem ein Regisseur von damals mit einem Noch-Star das Gleiche wie immer mit etwas mehr Schmackes, nicht unbedingt mehr Qualität inszeniert; oder auch Enzo Williams' AWOL, ebenfalls 2017, der mehr wie ein übergebliebener Adkins wirkt. Während Mattis unlängst angekündigter On the Job 2, diesmal mit Schwerpunkt auf den Medien und der Justiz wiederum einen etwas anderen Weg geht.]