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iHaveCNit: Mary Poppins Rückkehr (2018)

Das Filmjahr 2018 geht für mich mit „Mary Poppins“ zu Ende und mein Vorjahres-Kinoticket-Rekord von 84 ist dieses Jahr mit 100 Tickets eingestellt worden. Der Abschluss eines Filmjahres im Kino ist immer etwas Wichtiges und Einschlagendes. 2016 war „Nocturnal Animals“ ein richtig starker Abschluss genau wie 2017 mit „The Killing of a Sacred Deer“. Leider kann hier „Mary Poppins Rückkehr nicht mithalten, auch wenn natürlich der filmische Bogen super geschlossen wurde. Begonnen hat es ja mit „The Greatest Showman“ indem uns Hugh Jackmans PT Barnum zum Träumen und Staunen gebracht hat – und nun ist es das berühmte magische und eitle Kindermädchen, dass das Leben der Familie Banks mit Magie, Tanz, Musik, Fantasie und Traum wieder in die richtige Bahn lenkt. Träumen, Staunen, dafür ist ja auch das Kino da.

London im Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 30ern. Die Krise macht natürlich auch nicht vor der Familie Banks halt. Während sich Jane wie auch ihre Mutter um die Rechte von Minderheiten kümmert, arbeitet Michael wie auch sein Vater in der gleichen Bank, hat aber die Finanzen der Familie nach dem Tod seiner Frau aus den Augen verloren, so dass durch Schulden eine Zwangsräumung des Hauses im Kirschbaumweg ansteht. Höchste Zeit, dass Mary Poppins wieder auf den Plan tritt um das Leben der Banks-Familie wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Nach einem zähen Ringen von Walt Disney hat sich die Autorin P.L. Travers breitschlagen lassen, aus ihrem sehr eigenen lebensnahen Buch ein buntes Musical zu produzieren, dass am Ende sogar mit 13 Oscarnominierungen und 5 gewonnen Goldjungen überaus erfolgreich wurde und als echter Klassiker angesehen wird, der sogar gerne mal zitiert wird. Ehrlich gesagt habe ich zum aktuellen Zeitpunkt die etwas disneyfreundliche Entstehungsgeschichte „Saving Mr. Banks“ nicht gesehen und auch bis vor einer Woche den ersten Mary Poppins. Und ich kann sagen, dass die Sichtung des Films auf jeden Fall einen gewissen Zugang zur 54 Jahre später folgenden Fortsetzung ermöglicht, die im Kern eine Neuauflage ist, weil sich Geschichte wiederholt. Es tut mir schon fast leid, dass ich hier beide Filme miteinander vergleichen muss, denn in fast jeden Belangen ist die Fortsetzung dem Erstling unterlegen. So grandios eine Emily Blunt hier spielt, so ist hier durch eine leicht geänderte Figurenkonstellation die Chemie zwischen ihr und Lin-Manuel Miranda nicht so charmant und spritzig wie die von Julie Andrews und Dick Van Dyke im ersten Teil. Auch wenn natürlich tricktechnisch heute einiges mehr möglich ist als noch vor 54 Jahren machte irgendwie die Art, wie man 1964 tricktechnisch den Erstling aufgezogen hat gerade für die Art der gebotenen Fantasie definitiv mehr Sinn und es war alles sehr viel stimmiger. Schade, dass ich den Film nur in der deutschen Synchronisation gesehen habe, denn ich finde es etwas befremdlich, wenn ich von einer Rolle einen Bruch in der Synchronisation zwischen Dialog und Gesang klar feststelle, der mich etwas aus dem Film reißt. Da ist eine Originalfassung definitiv um einiges sinnvoller. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass auch die Lieder eingedeutscht werden, anstatt sie einfach im Original laufen zu lassen. Auch sind die Songs kaum Ohrwurmkandidaten geworden. Trotz aller Kritik, die ich an dem Film habe, sind sowohl Emily Blunt als auch ein wunderbarer und toll aufspielender Ben Wishaw genau das, was dem Film richtig gut tut. Und gerade die drohende Zwangsräumung/Zwangsversteigerung ist unglaublich ernst, dramatisch und emotional – vor allem, wenn man einmal selbst in dieser Lage war.

„Mary Poppins Rückkehr“ - My First Look – 6/10 Punkte

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