Review

Aufguss... aber immerhin mit Regenschirm

 
Mary Poppins kehrt nach Jahrzehnten in ihre einst gesittete Familie und auf die Kinoleinwände zurück - nun schwingt Emily Blunt etwas governantisch und weiterhin sehr erfinderisch den Regenschirm, entführt die nächste Generation der Banks-Familie in eine farbenfrohe Welt der unendlichen Möglichkeiten...

Das Original „Mary Poppins“ ist pure Magie und eines der besten Hollywoodmusicals aller Zeiten. Überbordend kreativ, bunt und charmant. Seiner Zeit voraus und die Grenzen der Fantasie brachial pulverisierend. „Mary Poppins Returns“ wirkt dagegen eher wie ein Abziehbildchen mit modernsten Effekten - aber ohne echte eigene Seele. Emily Blunt spielt okay, kann Julie Andrews aber zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen. Herr Miranda ist King, wirkt hier aber oft genug deplatziert. Die Bilder, Farben und Traumwelten sind (trotz gewiss artifizieller Art) hypnotisch schön, doch ihnen fehlt dennoch der Wow-Effekt, den man damals einfach porentief an jeder Ecke gespürt hat. Die Tänze und Choreographien sind spektakulär und groß, wirken jedoch oft genug immergleich und unpersönlich. Die Songs gehen gut durch, bleiben jedoch nie im Ohr. Die Figuren haben wenig eigenen Charakter, die Geschichte ist Disney-nach-Zahlen, jegliche Verbindungen zum Original wirken erzwungen. All das klingt harsch und nach einem brutal schlechten Semi-„Remake“, was „Mary Poppins Returns“ absolut nicht gerecht würde, da an der Oberfläche schon alles gegeben wird. Doch gebraucht hat diesen Rerun eigentlich niemand. Denn in jeder Beziehung würde ich auch heute noch (und später für meine Kinder!) jederzeit zum ersten und einzig wahren Teil greifen!

Fazit: fast eher Remake mit aktuellen Mitteln statt lohnende Fortsetzung. Eher Maggi statt Magie. Und dennoch ein bunter und spritziger Familienunterhalter. Nur eben sehr blass und trotz aller Einfälle... einfallslos im Kern. Emily Blunt zudem irgendwie etwas herrisch und nicht allzu sympathisch. 

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