In der vagen Hoffnung, endlich mal einen Geheimtipp aus Deutschland aufzuspüren, sichten Genrefans nahezu jede Horrorproduktion. Der erste Langfilm von Ezra Tsegaye sieht zwar nur selten nach dem Mikro-Budget von 50.000 Euro aus, doch inhaltlich wäre noch viel Luft nach oben gewesen.
Die erfolglosen Filmemacher Ben und Daniel wollen einen Erotikstreifen mit US-Sternchen Sasha Blue produzieren. Nach Ankunft im Hotelzimmer scheint die zunächst aparte Schauspielerin verändert, sie verhält sich aggressiv und ruchlos. Als der Dreh am nächsten Morgen startet, beißt Sasha ihrer Drehpartnerin beinahe die Unterlippe ab und scheint wie von Sinnen. Zurück im Hotel wenden sich die geplagten Filmer an einen selbsternannten Prediger…
Inspiriert wurde die Geschichte von einer misslungenen Teufelsaustreibung, welche hier in Form einiger Rückblenden ins Geschehen eingebettet wird. Um Besessenheit geht es natürlich auch im Hauptteil, wobei die Entwicklung sogar noch einige Freude bereitet, als Sasha zur Nymphomanin wird und den verlegenen Daniel umgarnt. Die Chemie unter den Figuren stimmt, die Mimen sind präsent und lediglich die viel zu leise ausgesteuerten Dialoge im Vergleich zur übertönenden Soundkulisse stören ein wenig.
Die Effekte während des Exorzismus mit fliegenden Funken und schwebender Besessener sind sogar richtig gut und ein kurzer Trip in die Hölle offenbart, dass Tsegaye mit mehr Budget wahrscheinlich ordentlich was auf die Beine stellen könnte, was bereits das gelungene Make-up und die wenigen Splattereinlagen wie zerplatzende Köpfe und diverse Bisse untermauern. Doch dagegen schmiert die Geschichte im letzten Drittel deutlich ab.
Mit Erscheinen des TV-Priesters, der von Dieter Landuris durchaus gekonnt mit einer gesunden Portion Selbstironie verkörpert wird, ist es mit der Spannung dahin. Es entsteht einiger Leerlauf, es wird erklärt, was Rückblenden bereits großzügig andeuteten und so dominieren zu viele Dialoge, wogegen inhaltlich zu wenig geboten und folgerichtig zu wenig Spannung erzeugt wird.
Auch mit dem Humor ist das so eine Sache. Denn Filmplakate wie „Kopfowääh“ deuten allenfalls an, welche Ironie gegenüber Großproduktionen möglich gewesen wäre und die Zweckentfremdung von gigantischen Dildos ist nur ansatzweise erheiternd. Situationskomik kommt kaum zustande, der Rückblick zu einem Casting fällt beispielsweise völlig handzahm aus und auch der Gastauftritt von Micaela Schäfer bringt, trotz standesgemäß nackter Haut keine wirklichen Erkenntnisse.
Somit fällt das Spielfilmdebüt von Ezra Tsegaye nicht gänzlich langweilig aus, doch aufgrund weniger Schauplätze und einer eher holprig vorgetragenen Geschichte bleibt der Unterhaltungswert recht überschaubar. Die Mimen überzeugen, das Visuelle auch, doch storytechnisch wird viel Potential verschenkt.
4,5 von 10