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Irgendwo in bergigem Gelände in den Staaten versucht ein fröhliches junges Mädel per Flüstertüte noch andere Menschen aufzuspüren - denn irgendeine Seuche hat fast die gesamte Menschheit in Zombies verwandelt. Während sie den meisten der auch in den Bergen vorhandenen, langsam vor sich hin torkelnden Gesellen entkommen kann, schafft es einer von ihnen, sie zu erreichen, als gerade noch rechtzeitig ein Darth-Vader-Verschnitt auftaucht und sie vor dem verseuchenden Biss rettet. Der Blechbüchsen-Mann stellt sich als letzter Soldat einer in den Bergen stationierten Einheit heraus, welche die dort verschanzte Regierung schützen sollte, nun aber beschließen die beiden gemeinsam weiterziehen. Parallel dazu machen sich zwei andere junge Mädels auf, Vorräte zu organisieren, doch nur eine schafft es schlußendlich zu Fuß durch einen Wald. Sie erreicht ein altes Fort, in welchem gerade einige andere Frauen die Holzpalisaden zombiesicher machen wollen, als zwei Militärfahrzeuge des Weges kommen: Deren Kommandant, ein grauhaariger Redneck, faselt von einer neuen Rasse, die er mit seiner Handvoll junger Männer aufbauen will und sondert gleich mal einige der Damen aus, die seinen Plänen nicht wertvoll genug erscheinen. Deren Erschießung überläßt er zwei seiner Männer, während er mit dem Rest weiterfährt auf der Jagd nach Zombies. Doch auch das junge Mädel und ihr neuer Freund Blechbüchsen-Mann sind in der Nähe, die Zombies sowieso...

Die Ausgangslage dieses dritten Teils der The Dead and the Damned-Zombie-Filme des kalifornischen Regisseurs Rene Perez klingt nicht sonderlich aufregend, dennoch hebt sich Ravaged trotz vieler gängiger Klischees durch einige Kleinigkeiten von der Masse anderer eher preisgünstig hergestellter Zombiestreifen ab: Da wären zum einen die Locations, die für den Plot passend gewählt sind (bewaldete Hügel, eine menschenleere Hauptstraße, später eine moderne, aber verlassene Industrieanlage), zum anderen eine halbwegs ordentliche Kameraführung / post production (soweit zu erkennen, wurde nur ein wenig Mündungsfeuer am Computer getrickst) und schließlich die Untoten selbst, die zwar mit farblich recht ähnlichen, dafür aber hervorragend detaillierten Zombie-Schädeln herumschleichen. Wie aus den Standard-werken von Romero et al bekannt, können sie mit einem Schlag auf den Kopf erledigt werden, bewegen sich ansonsten langsam, reagieren auf Geräusche, verhalten sich dabei aber nicht besonders intelligent, sodaß potentielle Opfer unter einem Auto bzw. einem Schreibtisch Schutz suchen können. Positiv auch der Umstand, daß trotz des offenbar geringen Budgets nicht mit irgendwelchen Schnitttechniken versucht wird, aus den immer gleichen 5 Komparsen eine große Menge Zombies vorzutäuschen - stattdessen tauchen sie, z.B. in Totalaufnahmen, langsam aus verschiedenen Richtungen kommend auf und vermitteln damit glaubhaft das Bild ihrer Allgegenwärtigkeit.

Um unvermittelt ins Überlebens-Geschehen einsteigen zu können, bedient sich Perez des alten Tricks, den Zuschauer gleich zu Beginn mittels eines längeren Dialogs ins Bild zu setzen. Die folgenden Fluchtszenen einer großbusigen afro-amerikanischen Schönheit in knallengen Jeans und knappem Top lassen die Erwartungshaltung zunächst in Richtung Exploiter herabsinken, und der Auftritt des Vigilanten-Anführers mit Südstaaten-Flagge an der Uniform, der in fast jovialem Tom rassistischen Schwachfug von sich gibt, machen die Chose auch nicht besser. Während Erstere dann tatsächlich ganz kurz ihr Silikon freilegt (diese wie auch die storytechnisch noch viel sinnlosere Oben-Ohne-Szene von Hauptdarstellerin Nicole Stark wären absolut verzichtbar gewesen) und damit das (ohnehin nur) halbherzige Mitraten um das final girl schon frühzeitig beendet, darf man sich beim selbsternannten Rassenerneuerer über dessen Schicksal nicht so sicher sein. Denn daß der Filmbösewicht entgegen des vermuteten Verlaufs eben nicht zur Hauptspeise der Zombies in einem grande finale wird, ist (ohne allzuviel spoilern zu wollen) von der "Umsetzung" her eine ausgesprochen feine Idee. Leider geht diese kurze Szene schlichtweg unter, genau wie die grundsätzlich positive Intention des Films, daß Überlebende gleich welcher Ethnie (unter dem Blechbüchsen-Kostüm steckt ein junger Asiate) gegen die Zombies zusammenhalten müssen, viel zu wenig zur Geltung kommt.

Bei halbwegs flottem Erzähltempo läuft der mit 85 Minuten eher kurze Film zwar einigermaßen flüssig und kommt erstaunlicherweise ohne auffallende Logiklöcher aus, ärgert den geneigten Zuschauer aber durch manch blöden Dialog oder einfach mangelhaftes handwerkliches Können, wie eine geradezu lächerliche "Baum-Entfesselungs-Szene", die mit etwas mehr Sorgfalt sicher realistischer ausgefallen wäre. Auch die an sich nicht schlechte Idee des - überaus tragischen - Filmendes (mit der Mondschein-Sonate auf einem verstimmten Klavier) hätte ein geübter Regisseur deutlich wirkungsvoller in Szene setzen können. So hinterläßt Ravage einen zwiespältigen Eindruck - nichts wirklich Aufregendes und dennoch besser als viele andere Genrebeiträge: 4,51 Punkte.

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