iHaveCNit: Green Book (2019)
31.01.2019
Eine schöne Ausbeute gab es schon für „Green Book“ - 3 Golden Globes und 5 Oscarnominierungen mit guten Chancen, den ein oder anderen davon zu holen. Gerade in Anbetracht einiger Vorschusslorbeeren und auch diesem Erfolg war es klar, dass ich mir „Green Book“ auch im Kino ansehen werden. Und „Green Book“ konnte mich durchgehend so gut unterhalten und die Stimmung war auch blendend, so dass der Film bis jetzt der beste ist, den ich dieses Jahr sehen konnte.
Der Italo-Amerikaner Tony „Lip“ Vallelonga arbeitet als Türsteher in einem Nachtclub und schlägt sich mit Gelegenheitsjob rum, um seine Familie zu ernähren. In einer auftragsfreien Zeit kommt für den einfach gestrickten Mann aus der Arbeiterklasse ein interessantes Job-Angebot. Er soll den hoch angesehenen und virtousen Pianisten und Afroamerikaner Dr. Don Shirley auf einer Tour durch die Südstaaten als Fahrer begleiten. Der Trip wird für beide nicht einfach, denn wir befinden uns im Amerika des Jahres 1962 und Rassentrennung ist immer noch allgegenwärtig. Doch ein kleines grünes Buch ist in diesen Zeiten eine große Hilfe. Während des Trips entfaltet sich zwischen den beiden ungleichen Männern eine ganz spezielle Beziehung.
Das grüne Buch lautet eigentlich „The Negro Motorist Green Book“ und ist ein Reiseführer, der von den 30ern bis in die 60er hinein ein wichtiger Begleiter für Afroamerikaner war, um der Scham zu entgehen, Hotels, Restaurants und andere Etablissements aufzusuchen, die nur den Weißen vorbehalten waren. Diese harte Rassentrennung wird hier im Film sehr stark dargestellt, wenn z.B. Don Shirley in gewissen Etablissements einen Auftritt absolviert, aber dann dort nicht die richtige Toilette benutzen oder auch nicht in einem Restaurant dinieren darf. Solche Momente gibt es im Film immer wieder und er gibt sich auch nicht die Mühe, uns das subtil zu zeigen, sondern driftet dabei gerne mal ins Plakative ab. Das passt aber im Kontext zum gesamten Film. Zum Glück wurde im Jahre 1964 der Civil Rights Act von der Johnson-Administration veröffentlicht, der das Problem der Rassentrennung per Gesetz aufgehoben hat, auch wenn es bedingt durch Vorurteile natürlich heutzutage immer noch aktuell ist. Neben diesem Thema ist aber auch klar das Doppelpack aus Viggo Mortensen und Mahershala Ali die absolute Stärke des Films. Beide spielen ihre Charaktere wunderbar und die Chemie passt einfach richtig gut. Gerade der Kontrast des aus einfachen Verhältnissen stammenden Tony „Lip“ Vallelonga und des sehr eloquenten Dr. Don Shirley. Wobei es natürlich wie bei jedem Film auch die Frage ist, aus welcher Sicht sie erzählt wird. Der älteste Sohn von Tony hat die Geschichte geschrieben und dort ist ein Tony vielleicht etwas zu weichgespült und die Freundschaft etwas zu hochstilisiert worden. Das tut für mich jedoch keinen Abbruch. Auch wenn die Dialoge stellenweise etwas tragisch und dramatisch sind, so überwiegt der herrliche Humor des Films, der einen mit einem sehr tollen Gefühl aus dem Film verabschiedet. Gerade vor allem dieses sehr gefühlsbetonte Kino hat mich super unterhalten, emotional ergriffen und dazu gepaart mit einer wunderbaren Stimmung im Kinosaal den schönsten Kinobesuch in diesem Jahr beschert.
„Green Book“ - My First Look – 10/10 Punkte.