Review

iHaveCNit: Ballon (2018)

Ich glaube, in diesem Jahr habe ich noch nie so viele deutsche Filme im Kino gesehen. Und die Auswahl zeigt was für tolles Kino Deutschland liefern kann – sei es im Actionbereich, im Drama, im Arthouse-Sektor und nun auch im Historienkino. Von einem Film, der nur ganz dunkel in meinem Gedächtnis war, bis ich bei einem kurzen Urlaub in Leverkusen dann im Kino den interessanten Trailer zu „Ballon“ gesehen habe. Die gesamtdeutsche Geschichte steckt voll von interessanten Geschichten, die fürs Kino gemacht sind.

So wie auch die atemberaubende Flucht der ostdeutschen Familien Strelzyk und Wetzel in den Westen, die mit einem selbstgebauten Heißluftballon das gefährliche Unterfangen gewagt haben, gleichwohl in dem Wissen, dass der erste Versuch fehlgeschlagen ist und die Stasi bereits seinen Ermittlungsapparat in Gang gebracht hat, diesen geplanten Verrat am Volk zu bestrafen.

Inszeniert wird das ganze von Michael „Bully“ Herbig, der ein echt tolles Gespür für tolle Bilder und auch die Geschichte dahinter zeigt. Die Mischung aus Familiendrama, Zeitgeschichte und Spannungskino geht voll auf und hat mich richtig mitgenommen. Sowohl von der Inszenierung, der schauspielerischen Darstellungen, dem Produktionsdesign und der gesamten Atmosphäre. Die Atmosphäre wird durch einen wummernden epischen Soundtrack begleitet, der manchmal gefühlt etwas zu dick aufträgt, aber sich so anfühlt als hätte er sich an den Werken von Hans Zimmer aus den Nolan-Zusammenarbeiten inspirieren lassen, auch wenn ich natürlich als Nicht-Fachmann nicht beurteilen kann, ob das auch auftretende Ticken einer Uhr im Soundtrack als Shepard-Ton interpretiert werden kann. Ich denke eher nicht, aber dieses Ticken passt zum exzellenten und spannenden Ton des Films, der einen mit abheben lässt. Mir hat auch immer dieses latent spürbare Misstrauen untereinander gefallen, was die Spannung noch weiter angetrieben und für richtig starke Einzelszenen gesorgt hat. Der einzige Eindruck, dem man sich vor allem bei der Ausarbeitung der Charaktere nicht erwehren kann ist der, dass es sich nicht vermeiden ließ, auch wenige überzeichnete Stereotypen ins Drehbuch zu schreiben. Aber das milder für mich den Eindruck nur minimal. Denn „Ballon“ ist einer der besten deutschen Filme des Jahres.

„Ballon“ - My First Look – 9/10 Punkte.

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